E-MAIL DIALOGE MIT JEFF WISES
J.W.:
Ich habe mich gefragt, - ich weiß nicht genau, wie ich es ausdrücken soll – wie gut dieser Prozeß für Deine Kursteilnehmer funktioniert hat? Wie viele haben denn den Zustand erreicht, den sie verwirklichen wollten, und wie lange dauert das normalerweise?
W.B.:
Sein Ur-Credo zu aufzudecken ist erst der Anfang. Was danach geschieht, ist für jeden sehr unterschiedlich. Nach meiner Beobachtung fahren einige mit dieser Arbeit ernsthafter fort, einige weniger ernsthaft, und andere schieben sie auf später auf. Alles hängt davon ab, wie hoch die Priorität für das Erwachen ist. Ich überlasse es in hohem Maße jedem selbst, seine Verantwortung zu übernehmen; viele meiner Trainingsteilnehmer habe ich seither nicht wieder gesehen. Einige haben mich nach ein paar Jahren wieder kontaktiert, einige führen die Arbeit mit mir auf einer mehr privaten und freundschaftlichen Basis fort.
Eine andere Frage, die ich mir gestellt habe, seit ich das erste Mal davon las: Identifikation in Tieftrance. Ich weiß nicht, ob Du Dich daran erinnerst, worum es sich handelt, aber im wesentlichen ist es ein hypnotischer Prozess, bei dem man in die Zeit vor Bildung der eigenen Identität zurückgeht. Dann wird man angewiesen, als jemand anderes zu erwachen. Je mehr du über die andere Person weißt, umso vollständiger kannst du "sie werden". Im Extremfall erkennt die Person nicht, dass sie jemand anderes ist. Richard Bandler behauptet, auf diese Weise innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Fähigkeiten erworben zu haben. (Trance i.d. w/M. Erickson) Ich hätte gerne gewusst, ob die vorsinnliche Wahrnehmung erreicht werden kann, indem man sich mit jemand identifiziert, der sie bereits lebt. Was denkst Du darüber?
In Tieftrance-Identifikation identifizierst Du Dich vorübergehend mit jemand anderes. Ich glaube nicht, dass Du dabei tatsächlich in den Zustand vor Bildung der eigenen Identität zurückkehrst. Die Mechanismen Deiner Identität setzen lediglich vorübergehend aus: Du bist von Deiner eigenen Identität dissoziiert, aber sie ist immer noch da. Wenn Du dies mit jemand machst, der bereits über die eigene Identität hinausgegangen ist, wirst Du höchstwahrscheinlich seine Art zu funktionieren annehmen. Wenn Du aber immer noch Deine Identität hast, wirst Du die Leere nicht erkennen können, die das Zentrum von jemandem ist, dessen persönliche Entwicklung zum Abschluss gekommen ist. Vorsinnliche Wahrnehmung kann nicht modelliert werden – Du kannst sie nur in Dir selbst wiederentdecken.
(Die unterschiedliche Weise betreffend, in der sich sogenannte befreite Menschen über das Thema äußern.) Wenn es niemand gibt, der irgendwelche Glaubenssätze über irgendetwas besitzt, wie können sie dann unterschiedliche Vorstellungen über irgendetwas haben? Irre ich mich vielleicht in meiner Annahme, dass unsere Vorstellungen von Glaubenssätzen gebildet werden? Was meinst Du dazu?
Wir können nicht wissen, ob jemand anderes Verwirklichung lebt, wir können es nur für uns selbst wissen. "Wenn es niemand gibt, der irgendwelche Glaubenssätze über irgendetwas besitzt, wie können sie dann unterschiedliche Vorstellungen über irgendetwas haben?" Wie wäre es hiermit: "Ohne Festhalten an Glaubenssätzen werden all die unterschiedlichen Vorstellungen über alles möglich." Jeder, der es lebt, und in Worte zu fassen versucht, was nicht ausgedrückt werden kann, lebt in einzigartiger Weise einen anderen Aspekt der selben Sache (Ich habe dies Phänomen den "essentiellen Wert" genannt). Für jemand, der es liest oder hört, mag es sich wie ein Glaubenssatz anhören, aber es ist kein Glaubenssatz für den, der spricht. Vielleicht versuchst Du herauszufinden, was diese verschiedenen Personen, die behaupten, die absolute Realität zu leben, gemein haben.
Gibt es bei Deiner inneren Erfahrung Submodalitäten, die Du beschreiben könntest?
Befreiung "passiert" nicht auf derselben Ebene, auf der sich die inneren Erlebnisse abspielen. Es gibt da keinerlei Submodalitäten. Es ist keine Erfahrung oder ein bestimmter innerer Zustand. Da ich mich mit NLP befasse, habe ich es „vorsinnliche Wahrnehmung“ genannt. Es ist "jenseits" von VAKOG und Submodalitäten und ist deren Ursprung. Auf der Ebene der VAKOG-Erfahrung ändert das "Nicht-Ereignis" der Befreiung nicht das geringste. Du bist nicht, was Du erlebst. Meine allgemeine "Hintergrundwahrnehmung" könnte man als Leere oder Nichts bezeichnen (was wörtlich zu verstehen ist), oder als vorsinnliche Wahrnehmung. Dort hat jeder Mensch sein natürliches Zentrum (wenngleich sich die meisten Menschen durch ihre Erfahrungen definieren), und erst im weiteren Verlauf kommt dann – als natürliche Erweiterung – das Erleben der Submodalitäten und all der anderen Dinge wie Strategien, Werte, Glaubenssätze und so weiter, ins Spiel.
Ich habe ein wenig in mir selbst nachgeforscht, wobei mir etwas aufgefallen ist. Irgendwann bin ich es müde geworden, meine Gefühle kontrollieren zu wollen. Meine Erfahrung ist, dass Gefühle überhaupt nicht in Ordnung gebracht werden müssen. Ich habe so viel Zeit und Energie aufgewendet, um Gefühle zu reparieren, dass ich mich frage, was daran so schlimm ist, wenn man leidet. Anstatt mich innerlich abzulenken, schaue ich ihnen jetzt ins Gesicht, um zu sehen, wo sie herkommen, wenn ich fühle, dass etwas in mir hochkommt. Mir ist der Auslöser egal, es ist wie ein Aufspüren ihrer Entstehung in mir: ich will wissen, was in mir passiert. Dies ist nicht anstrengend, eher leicht. Das Schwierige an der Sache ist die Ehrlichkeit mir selbst gegenüber, wenn ich etwas Unangenehmes fühle.
Ja, es ist sehr wichtig, sich selbst gegenüber aufrichtig zu sein. Anderen mag man erzählen was immer man will, aber sich selbst sollte man nie belügen. Das ist aber ganz und gar nicht einfach; man muss es immer und immer wieder üben. Ständig steht man in Versuchung, sich z.B. einzureden: "Zum Teufel – , sich selbst zu korrumpieren ist viel einfacher; schau dir nur all die anderen an, die es Tag für Tag erfolgreich praktizieren..." und so weiter. Je aufrichtiger Du zu Dir selbst bist, umso mehr leidest Du darunter, nicht befreit zu sein. Und, je mehr Du dich diesem Leiden aussetzt, umso größer ist Deine Chance, aufzuwachen.
Es ist schon seltsam mit mir: ich scheine nicht gerade damit beschäftigt zu sein, mir eine gesunde Identität zuzulegen; aber irgendwie fühlt es sich "richtig" an. Manchmal fühle ich mich sehr viel entspannter als zu Zeiten, als ich noch versuchte, entspannt und zuversichtlich zu sein. Aber das ist jetzt nicht mehr mein Ziel. Ich frage mich nun, ob ich weitermachen soll. Ich weiß nicht, wie wichtig es ist, eine gesunde Identität zu haben, um sie loslassen zu können. Ich glaube, ich habe nie eine gesunde Identität gehabt.
Ich habe den Eindruck, dass Deine Identität eine gewisse Reife erlangt hat. Ob die Identität ’gesund’ ist oder nicht, ist zweitrangig.
Noch etwas: ich habe das Gefühl zu einem Anti-NLPler zu werden. NLP scheint so ergebnisorientiert zu sein. Nun scheint es, als ob Ergebnisse nicht Teil des Spiels sind. Ich kann immer noch Ergebnisse in meiner äußeren Umgebung erzielen; aber das ist nicht, worauf ich jetzt fokussiert bin. Was denkst Du darüber?
Wenn die Identität bankrott geht, gibt es nichts mehr zu erreichen. Das letzte Ziel eines Menschen ist die Befreiung. Dann bist Du frei. Und Du bist frei, NLP für Deine Ziele einzusetzen oder auch nicht.
Ich wollte Dich etwas fragen. Falls es zu persönlich ist, antworte bitte nicht. Ich wüsste gerne wie Dein Verhältnis zu Deiner Frau und Deiner Tochter ist. Wie ist es? Befasst sich Deine Frau auch mit dem, was Du tust? Ich habe mit meiner Freundin darüber gesprochen, und sie fragt sich, ob eine Beziehung das Aufdecken des Ur-Credos überstehen würde. Ich sehe keinen Grund, warum nicht. Ist das auch Deine Erfahrung?
Ein paar Freunde von mir, die etliche Jahre mit mir "gearbeitet" haben, haben Ehepartner, die sich nicht im geringsten für existentielle Fragen interessieren. In dieser Hinsicht spielen die äußeren Umstände überhaupt keine Rolle. Meine Frau ist in meine Arbeit involviert. Sie tut, was getan werden muss, aber das hat nichts mit unserer Beziehung zu tun. Die Intimität in einer Partnerschaft kann niemals so intim sein wie das Sich-Beschäftigen mit dem Aufdecken der Realität. Der grundlegende Fehler, auf dem die meisten Beziehungen beruhen, besteht darin, zu glauben, der andere solle einem die Arbeit an sich selbst "abnehmen". Egal, wie es bei ihm in Sachen Beziehung aussieht: wer sich nach Befreiung sehnt, muss verstehen, dass Befreiung eine höchstpersönliche Angelegenheit ist. Wie auch immer die Situation ist: ob Du eine Beziehung zu jemand hast oder nicht, macht keinen Unterschied.
Wolfgang, glaubst Du, dass sich Evolution in Stufen abspielt? Ich meine nicht Stufen wie 1, 2, 3, und so weiter, sondern mehr in dem Sinne, dass bestimmte Dinge erst abgeschlossen sein müssen, bevor andere Dinge an die Reihe kommen. Ich habe den Eindruck, dass es vielleicht so sein könnte, weil ich eine Erfahrung mit einer anderen Art zu funktionieren hatte, die aber nicht angedauert hat.
Normalerweise ist das Teil des Weges. Ich glaube nicht, dass es Stufen gibt, die allgemein für jeden gelten. Ein wirklicher Sucher wird normalerweise von Zeit zu Zeit in die "Realität" gestoßen. Es geht darum, dies zu stabilisieren, damit die Realisierung dauerhaft wird.
Als ob ich mich dort so lange nicht etablieren kann, bis andere Dinge geklärt sind.
Es kann hilfreich sein, bestimmte Dinge in sich selbst zu klären. Aber, es ist sehr schwer – wenn nicht gar unmöglich – für sich selbst zu wissen, was zur Klärung ansteht. Vergaß nicht, dass Du komplett bankrott gehen musst, um zu stabilisieren.
Ken Wilber benutzte die Analogie einer Person, die eine Leiter hinaufklettert (ein sehr vager Vergleich, wie er zugibt). Mit dem Klettern gehen Teile von einem selbst unterwegs verloren. Wenn man die Stücke aufsammelt, kann sie/er höher steigen, und schließlich von der Leiter ins Nichts springen, und der Kletterer und die Leiter verschwinden. Und der Alptraum ist vorbei.
Ich glaube nicht, dass man Teile von einem selbst verliert, wenn man zu tiefen Einsichten gelangt. Befreiung ist eher ein digitaler Prozess als ein analoger. Wie wäre es hiermit: Jedes Mal eine andere Leiter hinaufklettern (wobei man glaubt, es sei eine andere, während es in Wirklichkeit immer die selbe ist) bis Du eines Tages (mit etwas Glück, oder auch Gnade) erkennst, dass Du es bist, der sowohl die Leiter erschaffen hattest, als auch den, der sie hinaufkletterte. Du hast die Leiter und den, der sie hinaufkletterte erschaffen, weil Du an ihre Existenz geglaubt hast. Also stellt sich die Frage: Wie kann ich all diese Glaubenssätze loswerden?
Als ich Dir berichtete, was mir geschehen ist, habe ich eine Sache vergessen. Ich bin neugierig, zu erfahren, ob es von Bedeutung sein könnte. Als ich in die Fontäne trat und alles enthüllt war, gab es ein paar Dinge, die mehr als offensichtlich waren:
1. Dies ist, wie die Dinge immer sind, und schon immer waren.
2. Ich hätte es nicht von alleine tun können; ich musste extra dazu angestoßen werden.
3. Nichts ist von Bedeutung.
Ja, das ist es! Es zeigt eindeutig, dass Du eine tiefe existentielle Erfahrung hattest.
Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es für baren Unsinn halten. Wie auch immer, das sonderbare daran ist, dass ich im nachhinein irgendwie das Gefühl hatte, etwas versäumt zu haben, aber das Gefühl war nur unterschwellig, und verschwand so schnell, wie es aufgetaucht war. Ich frage mich jetzt, ob ich vielleicht einige "Stufen" übersprungen habe.
Nein, Du hast nichts versäumt. Und ich wette, es war eher ein Gedanke als ein Gefühl. Der Verstand ist ziemlich schlau, aber es ist IMMER "nur ein Gedanke". Schenke diesen Gedanken-Gefühlen nie Glauben. Sie werden jedoch nie verschwinden. Der Trick ist, ihnen keinen Glauben zu schenken, sie nicht zu unterstützen. Las sie so schnell wie möglich vorbeiziehen, wenn sie auftauchen.
Zuletzt hast Du geschrieben: "Du wirst erkennen, dass Du es bist, der die Leiter und den, der sie hinaufkletterte erschaffen hat. Du hast die Leiter und den, der sie hinaufkletterte erschaffen, weil Du an ihre Existenz geglaubt hast. Also stellt sich die Frage: Wie kann ich all diese Glaubenssätze loswerden?" Ja... Wie kann ich all diese Glaubenssätze loswerden? Sie sind so überzeugend, dass anscheinend wirklich etwas Gnade vonnöten ist, damit ich ein paar von ihnen wiedererkenne, wenn ich sie sehe.
Genau. Die eigenen Glaubenssätze zu erkennen erfordert Erfahrung und Beobachtungsgabe. Wenn man sich ihrer erst einmal bewusst geworden ist, kann man sich von ihnen trennen. Man muss es jedes Mal tun, wenn ein Glaubenssatz auftaucht; es kann nicht ein für allemal geschehen. Und man muss sich an die Leere gewöhnen, die sich einstellt, wenn kein Glaubenssatz aktiv ist. Am Anfang ist das ein ziemlich sonderbarer "Seinszustand". Interpretationen, Meinungen etc. sind ebenfalls Glaubenssätze. Du kannst Die Passagen meines Buches über Glaubenssysteme und Überzeugungen noch einmal lesen. Außerdem kannst Du gleich jetzt damit beginnen, festzustellen, was Du wahrnimmst. Stelle fest: Ich sehe die Worte, die ich lese; ich höre was ich höre; ich fühle was ich fühle. Ohne jede Interpretation; nur reine Feststellungen. Das gehört zur Glaubenssatz-freien-Wahrnehmung. Lerne, bei reinen Feststellungen zu bleiben, soweit es irgend möglich ist. Tatsächlich gibt es in der direkten Wahrnehmung nie etwas anderes. Glaubenssätze verzerren die Wahrnehmung des "Jetzt"; sie sind immer zukunfts- oder vergangenheitsorientiert.
Nicht nur das, es gibt gleich Berge um Berge von ihnen. Ich habe sogar Glaubenssätze über meine Glaubenssätze. Ha! Es ist, als ob Du Deinem eigenen Schwanz hinterher jagst.!!
Ja. Aber sobald Du weißt, wie Du Glaubenssätze erkennen kannst, kannst du sie einfach wegwerfen. Wie Abfall. Mit der Zeit bekommst du darin Übung. Die Lücke zwischen dem Maul der Katze und ihrem Schwanz ist die glaubenssatzfreie Leere.
Stimmt es, dass man umso tiefer in sich hinausgehen kann, je weniger Glaubenssätze man hat?
Nein. Für mich gibt es kein "tiefer". Es ist ein digitales Ereignis, unabhängig vom Vorhandensein von Glaubenssätzen. Glaubenssätze tauchen immer wieder auf. Es geht darum, sie sofort zu erkennen und im Handumdrehen zu vernichten.
Ich verstehe sehr gut, was Du hinsichtlich glaubenssatzfreier Wahrnehmung sagst. Es ist sehr komisch, aber in den letzten sechs Wochen habe ich genau damit angefangen. Es ist eine ganz neue Art von Aufmerksamkeit; sehr intim, und schwierig zu stabilisieren. Außerdem kann man die Wachheit nicht herbeizwingen. Der Glaubenssatz, der das Herbeizwingenwollen verursacht, ist Teil des Problems. In aktuellen Situationen habe ich jetzt häufig viel mehr oder auch viel weniger zu sagen als vorher. Ich analysiere viel weniger, bemühe mich weniger, zu verstehen. Und ich stelle meine Handlungen und Motivationen weniger in Frage. Es ist mehr „es einfach tun oder nicht tun“.
Das klingt wirklich sehr gut!
Als ich anfing, unangenehme Gefühle zuzulassen, wurde eine schwere Last von mir genommen. Ich gehe ihnen nicht mehr so sehr aus dem Weg. Manchmal habe ich dann Angst, die Fassung zu verlieren. Das wäre nicht sehr praktisch (bei der Arbeit, oder im Streit mit jemand, der einem nahe steht, etc.). Ich bin immer noch neugierig, was passieren würde, wenn ich alle Schranken fallen lasse. Wozu würdest Du mir raten?
Es geht hier darum, unangenehme Gefühle nicht zu unterdrücken und GLEICHZEITIG unangenehme Gefühle nicht auszudrücken, wenn sie aufkommen. Wenn jemand oder etwas diese Gefühle in Dir hervorruft, ist es Deine Aufgabe, das daran geknüpfte Leiden anzunehmen (was Dich den Trennungsschmerz Deines Ur-Credo spüren lässt). Versuchen, nicht die Schuld den Umständen oder anderen, die bei Dir "den Knopf drücken", zuzuschieben. Sehr schwer, aber unabdingbar.
In einem Deiner Mails an mich hast Du geschrieben, dass Glaubenssysteme (Meinungen, Kommentare zum Geschehen etc.) dauernd da sind. Nun, als ich etwas inneren Schmerz zuließ, schien es für ein paar Minuten... es ist schwer in Worte zu fassen, aber es schien, als ob es in mir eine Ebene des "Glaubens" in mir gibt. Deshalb mussten die Glaubenssätze meine Wahrnehmung färben, als ich mich auf ihrer Ebene bewegte. Für ein paar Minuten konnte ich mich davon lösen und an nichts denken. Obwohl ich großen gefühlsmäßigen Schmerz empfand, war es nicht so schlimm, weil der Schmerz mich nicht verletzte. Es war nur ein Gefühl. Was kann ich tun, wenn es wider passiert?
Las es einfach geschehen, wenn es wieder passiert. Wenn eine bestimmte Aufmerksamkeit/ Wachsamkeit vorhanden ist, kann dies jederzeit passieren. "Der Schmerz verletzte mich nicht" klingt gut. Der Schmerz, nicht Eins zu sein, ist sehr speziell, und nicht mit bekannten Schmerzen zu vergleichen. Er kann nicht re-präsentiert, und deshalb auch nicht in Worte gefasst werden; außerdem ist es unmöglich, ihn wiederzuerwecken oder ihn zu ankern, da er immer (in der Gegenwart) gegenwärtig ist. Um ihn "fühlen" zu können, braucht man eine ganz spezielle Bewusstheit. Je mehr dieser Achtsamkeit Du ansammelst, desto mehr bereitest Du die Ereignisse vor, die schließlich "Nicht-Dir" ermöglichen, dauerhaft im Einssein zu leben.
Ich spüre immer noch, dass so viel mehr nötig ist. Übrigens, die volle Verantwortung für sein eigenes Unglücklichsein zu übernehmen, muss die höchste Form menschlicher Reife sein.
Ja.
Es ist nicht einfach.
Das stimmt. Sehr schwierig. Erniedrigend. Voraussetzung, um zu echter Demut zu gelangen.
Kann man sagen, dass aller Schmerz, den wir erleben, vom Ur-Credo herrührt? Können selbst geringe Befindlichkeitsstörungen auf den Trennungsschmerz zurückgeführt werden?
Ja, es sei denn, es ist zu 100% physischer Natur. Alles was wir "persönliche Psychologie" nennen, ist ein auf Glaubenssystemen beruhender Mythos. Unsere Glaubenssysteme erschaffen unsere psychologische Existenz und die der anderen. Und solange es Glaubenssätze und Werturteile etc. gibt, wird es Konflikte geben, die Leiden erzeugen. Nehmen wir einmal die "leichte Befindlichkeitsstörung". Was passiert? Die Situation wird beurteilt, sie wird (unbewusst) mit einer anderen verglichen, die nicht lästig ist (Konflikt entsteht). Und dann taucht ein leichter Schmerz auf. Der Schmerz entsteht nicht aufgrund der Situation, sondern weil wir uns eine Vorliebe schaffen. Jede Vorliebe schafft Trennung (außer es geschieht auf einer rein funktionalen Ebene), da sie dich von der direkten Erfahrung der Situation WIE SIE IST trennt. Ohne Beurteilen, Bevorzugen und ohne Glaubenssysteme ist die allgegenwärtige Wahrnehmung aufs Einfachste reduziert: Jede Situation (oder jeder Kontext) ist wie sie ist. Wie auch immer die Situation (Kontext) sei.
Könntest Du mir etwas genauer erklären, was Du mit "Je mehr dieser Achtsamkeit Du ansammelst, desto mehr bereitest Du die Ereignisse vor, die schließlich "Nicht-Dir" ermöglichen, dauerhaft im Einssein zu leben." meinst? Heißt das, dass ich soeben zukünftige Ereignisse vorbereite?
Nein, es funktioniert nicht, wenn man eine zukünftiges Ergebnis im Auge hat. Jedes Mal, wenn diese spezielle Aufmerksamkeit in Dir entsteht, bist Du vollständig präsent. Wenn Du völlig präsent bist, existiert Zukunft/Vergangenheit nicht mehr. Je häufiger Du völlig in dieser Gegenwärtigkeit aufgehst, desto mehr bildest du von einer gewissen Substanz in Dir, die mit etwas Glück (manche nennen es Gnade) eines Tages "besondere Ereignisse" hervorbringen könnten, die - wiederum mit ein bisschen Glück – dafür sorgen könnten – wiederum mit ein bisschen Glück -, dass Du dies dauerhaft leben könntest. Wir sollten alles tun, um dort hinzugelangen, aber nicht alles liegt in unserer Macht.
Mit dieser besonderen Arbeit an mir selbst, die ich hier tue... will ich mich einerseits nicht verrückt machen, andererseits aber will ich mehr. Ist es klug, beim Einüben der Aufmerksamkeit, die ich anstrebe, eine Pause einzulegen, sagen wir, jeweils für einen Tag oder eine Woche?
Ja, von Zeit zu Zeit eine Pause einzulegen, ist eine gute Idee. Ein oder zwei Tage wären ausreichend.
Es schien, als ob die Lücke zwischen dem Maul des Hundes und seinem Schwanz größer wurde. "Wo ist sie geblieben?" Ich kann die Lücke nirgends mehr finden. Es beunruhigt mich nicht, aber es ist seltsam, dass es kommt und geht. Ist das der Glücksfaktor, den Du des öfteren erwähnt hast?
Ja, teils ist es Glück, teils gehört es zum normalen Prozess der "richtigen" Entwicklung („von der Identität zur Lücke“). Wärest Du denn noch in der Lage, im Alltag normal zu "funktionieren", wenn die Lücke ständig da wäre? Deshalb ist es gut, dass sie kommt und geht. Es hat keine Eile. So kannst Du Dich nach und nach daran gewöhnen, "aus der Lücke heraus zu funktionieren". Dann steht nicht mehr Deine Identität im Zentrum Deiner Handlungen, sondern die Lücke, aus der in jedem Augenblick geboren wird, was Du denkst oder tust.
Wolfgang, gibt es irgendetwas, das Dich ärgert?
Ja, natürlich. Kennst Du das: darüber lachen, wenn sich jemand anderes ärgert? Falls ja, warum nicht, wenn es sich um Dich handelt? Falls nein, dann versuch´s doch mal.
Kommt es jemals vor, dass Du etwas nicht bekommst was Du willst, und wünschst, die Dinge wären anders gelaufen?
Andauernd. Zum Glück habe ich gelernt, nicht mehr (an) die Bla-bla-bla-Geplapper-Kommentare meines inneren Dialogs zu glauben.
Was Du geschrieben hast fand ich ganz faszinierend. Ich glaube, dass ich die Dinge jetzt besser verstehe. Wenn ich über die normalen Verstandesfunktionen hinausgehen will, kann ich es praktisch mit nichts, was ich innerhalb dieses Rahmens tue, erreichen. Stimmt das?
Wir müssen innerhalb dieses Rahmens beginnen, um darüber hinauszugehen.
Du hast geschrieben: "Meine allgemeine Hintergrund-Wahrnehmung ist Leere oder Nichts". Dann wäre mein allgemeiner Hintergrund meine Glaubenssysteme. Ist das korrekt?
Ja, der gewöhnliche allgemeine Hintergrund ist, was ich das "Ur-Credo" nenne. Das heißt, man glaubt an Überzeugungen, und dass wir glauben, unsere Wahrnehmungen wären Realität.
Wolfgang, ich weiß, dass ich eine Menge Fragen stelle, und ich frage mich, ob das hilfreich ist. Hilft es, "davon" zu wissen? Hat es Dir geholfen?
Es hat mir geholfen. "Richtiges" Denken ist hilfreich. Mit einem angemessenen Modell und mit jemand zu arbeiten, der beansprucht, zu "wissen", ist die beste Hilfe. Beachte bitte, dass das, was ich vorschlage, ein Modell ist. Glaube nicht an die Existenz des Ur-Credo; tue besser so, als ob es existiert. Zu tun als ob ist sehr hilfreich, um Glaubenssätze loszuwerden. Tun als ob (anstatt daran zu glauben, dass) Geld existiert. Tun, als ob ich existiere. Tun, als ob meine Mutter existiert. Tun, als ob meine Wahrnehmungen die Realität wären. Und so weiter.
Ich spüre ein viel größeres Verständnis bestimmter Dinge. Ist das hilfreich?
Es hilft sicherlich, soweit man zwei Dinge in seinem Herzen behält: Wirkliches Verstehen führt immer zu größerer Demut; es hilft Dir, den Trennungsschmerz zu ertragen, den Schmerz, nicht befreit zu sein; es gibt Dir die Kraft, diesem Leiden ins Gesicht zu sehen, es zu fühlen, es zu sein. Die größte Herausforderung im Leben ist es... Nichts zu sein. Eine äußerst schreckliche Vision vom Standpunkt der Identität. Wenn ich das Wort "Nichts" gebrauche, ist es kein intellektuelles Konzept. Um es leben zu können, müssen wir lernen, es nicht zu unterdrücken. Und gleichzeitig haben wir unser Familien- und Berufsleben gewissenhaft weiterzuführen.
In Deinem Buch sprichst Du von der Gabe der Vorausschau. Kannst Du mir ein Beispiel geben, was Du damit meinst?
Ohne Glaubenssysteme wird die Wahrnehmung nicht gefiltert. Die aufgenommenen Wahrnehmungen werden dann nur vom essentiellen Wert behandelt (und nicht durch Vorannahmen verwaschen). Die Gabe der Voraussicht bedeutet, fähig zu sein, alles Wahrgenommene in einer Weise zu behandeln, die der Entwicklung und dem Ausdruck Deines essentiellen Wertes entspricht. Die Gabe der Vorausschau ist eher wie "wissen", was in einem gegebenen Augenblick zu tun ist (oder nicht), als zu "wissen" wie sich die Dinge entwickeln werden, wobei natürlich gewisse Dinge leichter vorhersehbar sind als durch die gefilterte Identitätswahrnehmung.
Wenn ich "Nicht-Ich" erfahre, wo war "Ich" dann vorher? Das heißt, wenn das, was ich als "Ich" bezeichne, in meinen Körper zurückkehrt, wo war dann dieses "Ich" vorher?
Das ist als ob Du mich fragst: "Hallo Wolfgang, letzte Nacht dachte ich um 22:05 Uhr fünf Sekunden lang an ein Krokodil. Wo war das Krokodil vorher, und wo ist es geblieben?"
Du meinst also, die von mir als "Ich" bezeichnete Person existiert nur, weil ich es glaube? Aber da sind doch auch Gedanken. Was ist die treibende Kraft hinter allen Gedanken und Handlungen?
Die Worte "Nichts" und "Leere" können es nur andeuten; die aufkommenden Gedanken und ausgeführten Handlungen kommen schlichtweg aus dem Nichts. Die Leere hat Deinen essentiellen Wert hervorgebracht, den höchsten Wert Deiner gesamten Werte-Hierarchie. Der essentielle Wert filtert Deine Gedanken und bestimmt Deine Handlungen. Alle Ausdrücke des essentiellen Wertes werden von einer (kindlichen) spielerischen Freude begleitet. Mein essentieller Wert schreibt, was ich schreibe.
Kein "Ich" zu haben hat keinerlei Bedeutung für mich.
Genau: es hat keine Bedeutung. Das Leben IST einfach (weder bedeutungslos, noch bedeutungsvoll, wenn das "Ich" verschwunden ist).
Das "Ich"-Konzept funktioniert ohnehin nicht. Logisch betrachtet gibt es nichts, von dem ich sagen könnte, dass ich es bin.
Richtig. Eine "Nicht-Person".
Keine Antwort passt. Letzten Endes weiß ich nicht, was ich bin. Ich wüsste nicht, wie irgendjemand jemals wirklich wissen könnte, was er ist.
Genau.
Ich muss einfach das "Ich bin nicht" noch ein wenig üben. Es ist sehr schwierig. Je mehr ich versuchte, es zu fühlen...
Versuche zu erkennen statt zu fühlen.
... wie es wäre "nicht zu sein", was ich betrachtete, umso mehr erkannte ich, dass ich denke, alles zu sein, was ich betrachte. Jedes Geräusch, Objekt oder Gefühl, das ich bemerke, bin ich. Ich meine das nicht im existenziellen Sinne. Ich meine, dass sich hier ein mentaler Prozess abspielt, bei dem ich von allem getrennt bin, weil ich nichts sonst eine eigene Existenz zusprechen kann. Ich fühle mich wie ein Dreijähriger. Das ist irgendwie demütigend. Wie kam es dann, dass ich Dinge persönlich nehme? Weil ich diese Dinge bin. Alles was geschieht, geschieht MIR.
Klingt gut. Keine Trennung.
Wolfgang, wenn Du ins Kino gehst (falls Du es tust), verlierst Du Dich dann im Film? Kannst Du noch in Trance gehen? Ich nehme an, ja. Vielleicht sogar mehr, als ein gewöhnlicher Mensch? Weißt Du, warum ich das sage? Weil Du Dich nicht mehr drum zu sorgen brauchst, ob Du noch da bist, wenn Du die Trance verlässt. Stimmt meine Annahme?
Tiefe Trance ist nur eine bestimmte Art, innere Zustände und Prozesse zu bearbeiten. Vorsinnliche Wahrnehmung ist kein Zustand. Sie ist immer da - völlig unabhängig von jeglichen inneren Zuständen oder äußeren Umständen. Selbst in Tieftrance ist diese besondere Art von Aufmerksamkeit (,die auf-ersteht, wenn das trennende "Ich" verschwunden ist) vorhanden.
Noch eine Frage... Gibt es etwas, was Dich traurig macht? Wenn ja, was?
Wie jedes menschliche Wesen erfahre ich alle innere Zustände, die Menschen erleben können, auch Trauer. Egal, um welchen Zustand es sich handelt – was als erstes passiert, ist, dass ich ihn akzeptiere. Wenn ich ihn erlebe, weiß ich, dass er (wie alles) vorübergehend ist; und wenn es sich um einen unangenehmen Zustand handelt, leide ich nicht darunter, dass er unangenehm ist. Wenn das "Ich" nicht mehr existiert, sind nicht die (ständig wechselnden) inneren Zustände das Zentrum des Lebens, sondern was sich niemals ändert: Das Nichts.
Du hast geschrieben: "Nichts" und "Leere" erzeugen die aufkommenden Gedanken und ausgeführten Handlungen." Gut, das macht Sinn. Aber kann man auch sagen, dass diese "Leere" wiederum "etwas" ist?
Nein. Du versuchst, etwas aus nichts zu machen. Es ist buchstäblich "NICHTS".
Es ist etwas, das das Denken nicht erfassen kann. Der Verstand kann es nicht erkennen.
Es kann weder durch das Denken noch durch sonst etwas erkannt werden.
Also ist für das Denken dieses undenkbare Ding (soweit es das Denken erfassen kann) Nichts. Kann es so umschrieben werden? (Ich suche mit dieser Frage nicht nach Sicherheit; ich möchte nur die Natur des Denkens verstehen).
Ich würde es lieber so ausdrücken: Für das Denken, wie für alles andere ist dieses undenkbare Nicht-Ding wirklich Nichts. Gedanken, Verstand, Vakog können „Nichts“ nicht begreifen. Sie sind dazu da, nützliche Funktionen im täglichen funktionalen Leben zu erfüllen.
Weil aber dieses „Nicht-Ich" etwas ist, das für mich keinerlei Sinn-Bezug hat...
Richtig: es hat keinen Sinn-Bezug. Das Leben IST einfach (weder sinnlos, noch sinnvoll, wenn das "Ich" verschwunden ist).
Meinst Du dass es im großen Zusammenhang der Dinge keinen Zweck gibt?
Genau.
Was hältst Du von NLP?
Soweit ich es beurteilen kann, hilft alles, was Richard Bandler und die anderen tun, einigen Leuten, die ihre Workshops besuchen, ein starkes und reifes "Ich" zu erlangen, und ihr Leben gegenüber vorher zu verbessern. Die Identität verstärken, um das Beste daraus zu machen. Als ich vor zehn Jahren mit NLP anfing, hörte ich mir viele von Richard Bandlers Bändern an (Audio und Video) und versuchte, seine Lehren zu verstehen und zu integrieren. Soweit ich heute sagen kann, war das sehr hilfreich, um die Werkzeuge zu erwerben, die ich brauchte, um mein Ur-Credo zu entdecken und aufzudecken.
Zurück zu unserer Diskussion über das Nichts... Werden – so wie Du funktionierst – all Deine Handlungen nicht von Deinem Willen bestimmt? Es (das Nichts) handelt aus eigenem Antrieb, und Dein Verhalten ist dessen Resultat. Die frühere als "Ich" bekannte Person existiert nicht mehr. Dieses kleine "Ich" wurde vom großen "ICH" – genannt Nichts – verschlungen. So sind jetzt alle durch Dich geschehenden Handlungen eine Überraschung. Gleichzeitig gibt es niemand, der von ihnen überrascht wird. Bist Du die ganze Zeit auf Autopilot? Als ob Du ständig im "Fluss" wärest?
Ja, Worte wie Überraschung und Erstaunen beschreiben es gut. Autopilot nicht. Der essentielle Wert filtert, und ich habe die Verpflichtung (die ich zurückweisen könnte) dementsprechend zu handeln. Im "Fluss" sein? Ja, es gibt so etwas wie einen unsichtbaren Faden, der sich durch die Zeit zu ziehen scheint. Es bedeutet nicht, dass Ereignisse vorhersagbar wären. Aber es gibt magische Lehren (das chinesische Tchan und Don Juan) die es einigen außergewöhnlich begabten Personen erlauben, durch die Zeit zu reisen etc. Yoganandas Buch "Autobiographie eines Yogi" erwähnt es. Mehr kann ich aber dazu nicht sagen, weil ich nie eine solche Schulung erfahren habe.
Zum Schmerz des Ur-Credos... sagtest Du (ich umschreibe es), dass es zum Prozess gehört, diesen Schmerz zu erleben.
Ja, man muss lernen, dem Gefühl nicht aus dem Weg zu gehen, wenn es auftaucht. Normalerweise sind das die schwierigen Situationen im Leben. Die, wo Du Dich richtig elend fühlst. Was ist so schlimm daran, Dich elend zu fühlen, wenn Du gelernt hast, darunter nicht mehr zu leiden?
Das habe ich jetzt nicht so recht verstanden. Meinst Du, man muss der Schmerz werden?
Nein, das wäre ein bisschen zu viel.
Wir werden also dessen gewahr, dass wir ihn "ertragen" können?
Ja.
Das Unzulänglichkeits-Spiel des Ego durchschauen. Erkennen, dass wir den Schmerz ertragen können. Erkennen, dass Unzulänglichkeit nicht meine wahre Natur ist. Zu glauben, wir könnten den Schmerz nicht ertragen, ist vielleicht eine das Ego erhaltende Strategie. Das wäre ein guter Grund, ihn zu vermeiden. Es sieht so aus, als ob Du am Ende keinen Glaubenssatz behalten kannst. Du musst den Sprung wagen, und das ist es dann. Selbst die Hoffnung, dass Du bei der Landung noch existierst, reicht schon aus, um Dich zurückzuhalten.
Richtig.
Es gibt flüchtige Augenblicke, wo ich glaube, die Oberfläche meines Ur-Credo zu berühren. Las es mich beschreiben: Manchmal wird es mir klar, dass ich eifrig darum bemüht war, Scheuklappen zu tragen, um den Schmerz meines Ur-Credo nicht anzurühren. Es fühlt sich nicht sehr gut an, und ich spüre im Hintergrund eine gewisse Angst. Es ist von sehr durchdringender Art, und noch etwas... gleichzeitig fühle ich mich auf eine sehr ironische Art entspannt. Ich glaube, dass dieses entspannte Gefühl daher rührt, dass meine Aufmerksamkeit von meinem inneren Bla-bla-bla-Dialog abgelenkt ist. Es erfordert Aufmerksamkeit, bei diesem Gefühl zu bleiben.
Ja. Sehr gute Einsicht. Diese besondere Art von Aufmerksamkeit hats in sich. Versuche, dabei zu bleiben, wann immer sie sich einstellt. Es ist eines der "no-mind"-Werkzeuge, die ich erwähnte. Gurdjieff nannte es "sich seiner Selbst erinnern".
Gibt es auch einen anderen Weg, um dorthin zu gelangen? Ich weiß nämlich nicht, ob ich in der Welt funktionieren kann, wenn ich gleichzeitig tiefer in diesen Schmerz hineingehe.
Obwohl es unglaublich ist, und manchmal sogar wie ein Wunder erscheint, kann man in einer Welt ohne Glaubenssysteme funktionieren. Die neue Wahrnehmung ist dann, nicht mehr das Gefühl von Sicherheit zu haben, dass man im nächsten Moment noch in der Lage sein wird, zu funktionieren. Mehr noch: Du musst sogar weiter in Deiner funktionalen Umgebung bleiben, um dies leben zu können. Die Vorstellung, ein Jahr Auszeit zu nehmen, um alles loszuwerden, ist falsch. Die Anspannung, sich damit abzufinden, Dinge miteinander in Einklang bringen zu müssen, die unvereinbar erscheinen, ist bei diesem Prozess recht hilfreich.
Ich könnte es tun, wenn ich alle meine Kräfte mobilisiere, und wenn ich genügend Zeit hätte, um so weit zu gehen, wie ich kann, aber... Ich glaube... ich könnte wahrscheinlich nicht gleichzeitig auch noch die Mechanismen meiner Identität am laufen halten. Und wenn ich nicht wüsste, wer ich wäre – wie würden dann die Dinge getan werden?
Solange Du Dich nicht in genau dieser Situation befindest, wirst Du niemals eine Antwort auf diese Frage erhalten. Es ist unmöglich, vorher zu wissen, ob Du in der Lage sein wirst, Deine Sachen zu erledigen. Bereite Dich darauf vor, es zu riskieren. Nach meiner Erfahrung kann ich Dir sagen, dass das meiste, was ich zu tun habe, getan wird; aber ich weiß nicht, wie ich es anstellen werde, bis ich es tue. Der Zusammenbruch meiner Identität war ein Prozess, der sich über drei Jahre erstreckte. Ich erinnere mich, wie ich eines Tages zu Hause war und vorhatte mit dem Auto irgendwo hinzufahren. Plötzlich fragte ich mich, wie ich es anstellen sollte, Auto zu fahren. Es war mir unmöglich, dies vorher zu wissen. Außerdem stellte sich bei mir eine leichte Furcht ein, ich könnte völlig vergessen haben, wie man Auto fährt. Also ging ich hinunter und setzte mich ins Auto, aber ich wusste nicht, ob ich noch fahren konnte, bis ich schließlich den Motor angelassen hatte und herausfand, dass es immer noch ging. Nach und nach lernte ich, mit dieser Ungewissheit zu leben. Deshalb kann ich nie sagen: Ich weiß, dass ich meine Aufgaben erledigen kann. Nein, ich weiß es nicht! Aber nach und nach gewöhnt man sich an die Unsicherheit es nicht zu wissen. Und die meisten Dinge werden erledigt. Ich habe nicht mehr den Eindruck, dass ich es bin, der es tut. Aber erfahrungsgemäß werden die meisten Dinge erledigt, als ob "ich" noch da wäre.
Übrigens, wie ich hier saß, wurde mir klar, was ich "Identitäts-Mechanismen" genannt hatte. Ich meinte damit eigentlich die Art, mich selbst zu sehen, wie ich mir vorstelle, anderen zu erscheinen. Es blitzte kurz in mir auf, und fühlt sich wie ein sehr komplexer Prozess an, dessen ich mir vorher nicht bewusst gewesen bin. Ist es richtig, wenn ich diesen Prozess einen "Identitäts-Mechanismus" nenne?
Wie auch immer Du es nennst, es passt und ist kreativ. Noch viel wichtiger ist, dass Du Dich in einem äußerst tiefgreifenden und hilfreichen persönlichen Prozess aus dem Reich der Nicht-Identität befindest.
Manchmal verspüre ich den Drang, alles hinter mir zu lassen und nur noch diese Arbeit an mir selbst zu tun, bis sie abgeschlossen ist.
Das wäre nicht sehr hilfreich.
Auf eine Art fühle ich, dass alles, was mein Leben ausmacht, falsch ist.
Du bist in Kontakt mit Deinem Ur-Credo.
In meinem jetzigen Zustand könnte ich nicht sagen, was wirklich ist. Das geht mir seit meiner ersten "Nicht-Ich"-Erfahrung so. Ich verstehe das Leben nicht, wenn es durch das kleine "Ich" gelebt wird.
Es ist sehr schwierig und manchmal kaum zu ertragen, sich selbst "objektiv" zu sehen.
***
Heute habe ich die "Las es den Augenblick selbst regeln" Strategie bei der Arbeit angewandt. Ich kann eigentlich nicht sagen, dass es sich überhaupt um eine Strategie handelt. Ich weiß jetzt, was Du mit Warten meinst. Ich habe einfach abgewartet. Warten. Fast ganz ohne Absicht. Und während ich warte, geht alles von alleine weiter. Heute war es sehr schön, und ich habe mich nie angespannt gefühlt. Es war irgendwie hell. Als ich dann die Arbeit verließ, versuchte ich (als eine Art Experiment), ein Problem auf die gewohnte Art zu lösen. Anzufangen, so zu denken war, als ob man eine Rüstung zum Joggen anzieht. Ich werde weiter abwarten müssen, um zu sehen, wie die Dinge laufen.
Hört sich großartig an. Es ist jedes Mal neu. Du hast Recht, dass es keine Strategie gibt. Es gibt Offenheit, Bereitschaft, eine Leere, die für den nächsten Moment offen ist. Das ist alles. Absichtsloses Warten, wie Du sagtest. Selbst wenn es Anspannung oder Schwere gäbe – kümmere Dich einfach nicht darum. Es hat ohnehin weiter keine Bedeutung.
Ich habe ein Buch mit dem Titel "Das Ende der Evolution" gelesen, hier ein Auszug: "Mir scheint es, dass wir mit dem verborgenen Beobachter bis zum Alter von sieben Jahren eins sind. Dann beginnt sich unser Intellekt zu bilden, und es erfolgt eine Teilung. Das vor-logische Kind ist auf die traumartige Welt des Spielens fokussiert, ohne klare Unterscheidung zwischen Selbst und Erlebtem. Vielleicht trennt uns der Reifeprozess von unserem feinsinnigen traumhaften Teil, damit wir und mit unserer sozialen Welt identifizieren können (vielleicht auch müssen), und unseren analytischen objektiven Intellekt entwickeln. Der Preis des "Kontaktverlustes" könnte die Entfremdung und das in der Pubertät so eindringliche Gefühl von Einsamkeit sein. Eine solche Teilung soll sicher nicht von Dauer sein, und die Wiedervereinigung mit unserem verborgenen Beobachter kann ein wesentlicher Bestandteil echter Reife sein." Ähnelt das nicht sehr Deinen eigenen Hypothesen?
Ja, absolut.
Noch etwas aus dem selben Buch, worüber ich nachgegrübelt habe... "Die Natur entfaltet den Verstand für jeden von uns zur rechten Stunde. Ein Steak mit Champagner ist kein angemessenes Mahl für ein Baby, und Muttermilch nicht die richtige Nahrung für einen Heranwachsenden. Unsere entwicklungsmäßige Ernährung ist genauso spezifisch. Wir können den Verstand ebenso falsch ernähren, indem wir ihn zu früh fordern, zu lange damit warten, oder ihn gänzlich ignorieren. dass er als Möglichkeit "eingebaut" ist, garantiert nicht, dass er sich auch tatsächlich entwickelt." Stimmst Du dem zu? Demnach würde sich die Entwicklung in geeigneter Umgebung wie ein natürlicher Prozess ganz von alleine vollziehen.
Das ist mir zu allgemein, um zustimmen zu können.
Eine letzte Frage... Die Sache mit dem essentiellen Wert ist mir noch nicht ganz klar. Du meintest, es wäre keine besonders gute Idee, sein Berufung zu planen. Besser, sie hervorkommen und sich entfalten lassen. Das hört sich gut an, aber ich verstehe nicht recht, wie es gemeint ist. Kannst Du mir ein Fallbeispiel geben (egal ob real oder hypothetisch)? Ich glaube nicht - worüber wir uns schon einig waren -, dass das Leben einem allumfassenden Zweck dient. Aber meinst Du, dass es auf der persönlichen Ebene eine Aufgabe gibt? In diesem Fall würde ich annehmen, dass diese Aufgabe der lebendige Ausdruck von etwas (oder nichts) sein müsste, nicht aber ein Ideal, das man auszufüllen hat.
Richtig. Jedes Menschenleben hat eine innere Aufgabe. So, wie die kapitalistische Gesellschaft das menschliche Leben strukturiert, ist es heutzutage aber sehr schwer, mit dem in Kontakt zu sein, was man seine innere Berufung nennen kann. Im Idealfall würden Eltern oder Lehrer den Jugendlichen helfen, ihren Weg zum Ausdruck ihrer edelsten Werte zu finden. "Eigeninteresse" und der Hang zu vermeintlicher "Sicherheit" - besonders Geld, Macht und Ruhm – haben in den letzten 150 Jahren dafür gesorgt, dass dieses "Wissen" im Abgrund des Vergessens versunken ist. Deshalb muss fast jeder selbst darum kämpfen, seine Bestimmung zu finden. Dies kann jedoch nicht einfach durch Festlegen eines Ziels erreicht werden. Es erfordert große Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber, sowie das "Knowhow" um es in sich zu entdecken. Um Deine Berufung leben zu können, brauchst Du nicht erleuchtet zu sein. Du hast recht: Es geht nicht darum, ein Ideal auszufüllen; es ist eine Art Erkenntnis dessen, wer man ist. Die eigene Bestimmung zu spüren, ist ein in höchstem Maße subtiles und freudiges Gefühl. Dieses Gefühl hängt von keinem Kontext ab, sondern ist wie ein unsichtbarer innerer Führer. Wenn Du damit im Kontakt bist, wirst Du nach und nach die richtigen Entscheidungen treffen, wodurch sich mehr und mehr Deine Begabungen im wirklichen Leben entfalten.
Ich erinnere mich, wie wir über Sich-seiner-selbst-erinnern sprachen. Ich sagte, dass es mir den Verstand verdreht, und Du sagtest mir, es sei mehr emotional als verstandesmäßig. Zwei Tage später habe ich schließlich verstanden, was Du meintest. Okay. Ich bin eben ein bisschen langsam. Ich habe in dem Buch von Ouspensky gelesen, was mir aber nicht mehr Klarheit verschafft hat. Ist das, was ich ausbilden will, ein konstantes Aufmerksamkeitsgefühl? Wenn ja, was würde man fühlen, wenn man es richtig macht?
Ich würde eher sagen, dass durch das Sich-seiner-selbst-erinnern eine sehr subtile, nicht wirklich fassbare Art verfeinerter emotionaler Aufmerksamkeit hervorgerufen werden kann.
Wie weißt Du, dass es da ist?
Es zu "wissen" ist kaum möglich. Es kann dem Verstand nicht "bewusst" werden, und wahrscheinlich braucht es jemand, der Dir zu sagen "weiß": "Du bist gerade 'drin'".
Und wie bekommst Du es zurück, wenn Du Dich vergisst?
Erinnern. Es ist ein bisschen wie wenn Du vergessen hast, wo Du Deine Schlüssel hingetan hast.
Wie könnte man überhaupt wissen was es ist? Du erwähntest ein gewisses Maß an Ungewissheit. Wenn ich völlig im Ungewissen wäre, würde ich mich ständig verwundert fragen, ob ich überhaupt irgendetwas tue.
Bleibe bei dem „sich wundern“ .
Ich glaube auch, dass man, indem man seine Energie zu kontrollieren lernt, eine gewisse Festigkeit erlangen kann.
Was für Energien? Für mich sind das Einzige, was es grundsätzlich wert ist zu kontrollieren, negative Gefühle und Gedanken.
Ich glaube auch, dass "mich gut zu fühlen" – so wie ich es verstehe – mir hilft, nicht völlig ins Chaos zu stürzen. Mit "mich gut fühlen" meine ich nicht eigentlich das Gefühl, sondern, mit dem aktuellen Gefühl glücklich zu sein; es zu akzeptieren. Es ist schwer in Worte zu fassen. Nehmen wir an, es gibt verschiedene Arten von Gefühlen: 1. Gefühle, die reine Chemikalien sind und 2. Gefühle, die mehr wie Luft sind. Bei Gefühlen, die ich gegenüber Gefühlen empfinde, handelt es sich meist um diese "Luft"-Gefühle. Beispielsweise "Ich fühlte mich gut dabei, ärgerlich zu werden". Solange ich es schaffe, die "luftigen" Gefühle allem gegenüber aufrechtzuerhalten, ist der "Weg" leichter zu beschreiten. Wenn es bedrückend eng ist, kann "ich" nichts tun. Wenn es offen und weit ist, gibt es Wahlmöglichkeiten. Ich habe dann die Wahl, mich dafür zu entscheiden, ein "negatives" Gefühl nicht zum Ausdruck zu bringen. Wenn es aber eng zugeht, ist das Ereignis schon vorbei, bevor ich erkenne, dass ich von den Gefühlen überwältigt worden bin. Ich will damit sagen, dass es mir gefällt, meine Energien kontrollieren zu lernen, und dass ich gerne noch mehr darüber wüsste. ABER, das ist in erster Linie ein Versuch, meinen inneren Zustand im Sinne von "state management" beherrschen zu lernen. Es könnte eine sehr starke Ressource für die Arbeit an sich selbst sein. Mein größter Horror ist, wenn ich völlig verloren und verwirrt bin, und ich keine Ahnung habe, was mir geschieht. In einer stockfinsteren Schlangengrube zu sein, mit dem Bein in einer Bärenfalle, und nicht zu wissen, ob Du Schlange oder Mensch bist. Es ist tröstlich, auf "Okay-Gefühle" zurückgreifen zu können, wenn ich mich selbst sammle und Ressourcen aufbaue. Was meinst Du dazu?
Es ist schon trickreich, Leichtigkeits-Gefühle zu erfinden und davon auszugehen, dass diese nicht „chemisch“ sind. Vielleicht ein gutes Hilfsmittel, um funktionsfähig zu bleiben. Grundsätzlich aber sind alle Gefühle gleich, und alle sind chemisch, und zu guter Letzt kann man der Verwirrung nicht entkommen. Genau diese Verwirrung auszuhalten ist notwendig, damit derjenige, den danach verlangt, nach Hause kommen kann. Wenn Du vom Nichts gelebt wirst, ist alles, was Dir im Leben bleibt, Deinen essentiellen Wert auszudrücken, und das funktionale Leben zu organisieren. Auf dieser Ebene haben der innere Dialog und das Denken ihren Platz in Situationen des täglichen Lebens.
Manchmal verstehe ich nicht recht, was es bedeutet, zu funktionieren. Wäre ich ein Roboter, wäre es einfach zu verstehen, denn es gäbe keine Schattierungen von Unterscheidungsmerkmalen. Was spielt es für eine Rolle, wie man funktioniert, wenn es kein übergeordnetes Lebensziel oder eine Bedeutung des Lebens gibt? Ich kann den ganzen Tag rumsitzen und fernsehen, oder umherreisen, um Leute zu treffen, oder in die Klapsmühle gehen oder sonst irgendwas. Es ist doch völlig egal, solange es keine höhere Bestimmung gibt. Ich kann in die Hose pinkeln, oder dazu auf die Toilette gehen. In beiden Fällen funktioniert der Körper doch prima. Warum nicht einfach faul sein?
Das würde stimmen, wäre da nicht der essentielle Wert. Übrigens lassen die meisten spirituellen Lehren genau das vermissen.
Das Leben spielt sich also sowohl in der Zeit als auch außerhalb ab? Gibt es dann überhaupt so etwas wie Zeit?
Auf der funktionalen Ebene: Ja. Auf der existentiellen: Nein.
Ich verstehe, dass es ein Konzept ist; aber ob wir an die Vorstellung der Gravitation glauben oder nicht, ändert nichts an der Gravitation. Sie funktioniert unabhängig davon.
Gravitation ist wie alle sogenannten Naturgesetze Teil der funktionalen Ebene. Wir haben mit der Erdanziehungskraft zu leben, bis wir diesen Planeten verlassen. Es gibt schon erste Forschungsergebnisse zur Neutralisierung des Gravitationsgesetzes. Glaubst Du, dass Du Befreiung leben wirst (bevor Du stirbst)?
Ich möchte es gerne glauben, aber ich habe Zweifel. Es gibt keine Garantie, und vollständige Selbst-Realisierung scheint äußerst selten vorzukommen.
Falls Du eine Überzeugung wie "es ist für jemand anderen, aber nicht für mich" hast, könnte es nützlich sein, sie loszuwerden. Was würde sich dann für Dich ändern?
Es würde den Prozess des Erwachens sehr anregen.
Ich nehme an, dass Du mit Glaubenssystemen gearbeitet hast. Ich empfehle Dir, regelmäßig daran zu arbeiten, den Zweifel abnehmen zu lassen. Gehe dabei von der Vorannahme aus, dass sich weder die äußeren Lebensumstände, noch Deine Art, mit ihnen umzugehen, sich ändern werden, wenn Du befreit bist. Nach dem, was Du beschreibst, hattest Du möglicherweise vor einigen Jahren einen tiefen Einblick in die "Realität". Nehmen wir an, es war eine authentische Einsicht. Was bedeutet das heute für Dich?
"Einsicht" ist wahrscheinlich das falsche Wort, weil damals das Denken abwesend war, außer im Rückblick. Ich habe keinerlei Zweifel, dass es authentisch und real war. Ich hatte gedacht, NLP könne mir helfen, dorthin zurückzukehren. Die Tatsache, dass es mir zwei Mal – unter sehr unterschiedlichen Umständen – geschah, lässt mich vermuten, dass es bereits einen neurologischen Pfad dorthin gibt.
Ich muss jetzt etwas wichtiges klarstellen. Nehmen wir also an, dass es ein authentischer Durchbruch war. Du sagst: "Ich hatte gedacht, NLP könne mir helfen, dorthin zurückzugelangen." Ich nehme an, Du setzt voraus, es gäbe einen Weg zurück; mit oder ohne NLP. Und "dass es bereits einen neurologischen Pfad dorthin gibt." Ich sage Dir, was ich jemandem sagen würde, der meiner Lehre folgt: Es gibt keine neurologischen Pfade, die geeignet wären, einen Durchbruch oder die Befreiung zu erreichen. Es ist ein Quantensprung ins Nichts, Dein ureigenstes Wesen. Es ist jenseits von Seligkeit und Erfahrung. Es ist jenseits des Gedächtnisses. Es kann weder wiederbelebt noch wiedererlangt werden. Durchbrüche sind keine befreienden Erfahrungen. Sie zeigen einem nur, dass es noch etwas anderes gibt. In diesem Sinne befinden sie sich auf der selben Ebene wie LSD oder Meskalin. Ich schlage Dir vor, überhaupt nicht mehr daran zu denken. Wenn es ein wirklicher Durchbruch war, könntest Du Dich ohnehin nicht daran erinnern, denn das Nichts hinterlässt keine Spuren im Gedächtnis. Tue, als ob Du es nie erlebt hättest. Nichts davon ist irgendwie hilfreich. Dies als Referenzerfahrung herzunehmen, ist das Gegenteil von hilfreich.
Alles was Du hier sagst, macht total Sinn. Tatsächlich denke ich kaum jemals an diesen "Durchbruch" – in erster Linie, weil ich mich nur an das Staunen und die überwältigende Seligkeit erinnere, die ich spürte, als ich wieder der normale Jeff-in-der-welt wurde.
Kein Unterschied zwischen Jeff-Inder-Welt und Jeff-nicht-in-der-welt?
Ich habe keinerlei Erinnerung an diesen Augenblick des Nichts. Und selbst wenn ich mich erinnern könnte (ich verstehe, warum das nicht möglich ist) – bei dieser Arbeit geht es nicht darum, eine Erinnerung wiederherzustellen. Ich verstehe das durchaus.
Gut.
Du fragtest mich nach meiner Definition von "uptime". Ich muss feststellen, dass ich den Begriff nicht ganz wie im NLP verwende. Ich meine einfach einen Zustand der Wachsamkeit und Aufmerksamkeit. Im wesentlichen, was Krishnamurti "nicht auswählende Aufmerksamkeit" nennt.
Wie lange dauert dieser Zustand (im Durchschnitt)?
Es ist sehr unterschiedlich. Er kann es von so ziemlich allem gestartet oder gestoppt werden. Wenn ich mich bewusst der Aufmerksamkeit widme, kann ich sie im Durchschnitt zwischen zehn Minuten und einer Stunde aufrechterhalten, manchmal auch länger. Ich hatte auch an einem Training für Bewusstseinserweiterung teilgenommen, - ein 10-tägiges Retreat mit einem Vipassana-Lehrer (er nannte es reine Aufmerksamkeit). Ich habe kürzlich herausgefunden, dass die von Douglas Harding vorgeschlagene "doppelte Aufmerksamkeit" den Prozess wesentlich vertieft.
Gut. Wer oder was löst es aus?
Fast alles: Ein sensorischer Eindruck, eine Empfindung, eine Gefühlsregung. Oft erwecken negative Gefühle das Bedürfnis danach, sozusagen als Stärkungsmittel.
Was lässt es verschwinden?
Wenn die bewusste Absicht fehlt, kann es durch jede Ablenkung – z.B. wenn ich mich in Phantasien verliere - verschwinden.
Meinst Du, dass das Vergessen beginnt, wenn Du anfängst, an die Existenz von Repräsentationen zu glauben?
Was meinst Du mit "Repräsentationen"?
Für mich ist es der englische Ausdruck für das, was in östlichen Sprachen als "Maya" bezeichnet wird.
Ja. Ich fange an zu glauben, dass tatsächlich geschieht, was ich mir vorstelle.
Wachsamkeit ist Teil des Sich-seiner-selbst-erinnerns. Wachsamkeit ist nötig, um zu bemerken, wenn die "Maschine" anfängt, an Repräsentationen zu glauben (Maya für die Realität zu halten). Anschließend muss sofort eine weitere mentale Geste ausgeführt werden: Die Repräsentation des Glaubenssatzes zurückzuweisen und die Aufmerksamkeit dem zuzuwenden, was in genau diesem Augenblick wahrgenommen werden kann (externes VAKOG). Castaneda nennt es "die Welt anhalten". Woran erkennst Du, dass Du im "ungeteilte Aufmerksamkeit"-Modus bist?
Wenn ich nicht vergleiche, (be)werte ich das Gesehene (Gehörte, Gespürte, Gefühlte) nicht. Ich stelle nur fest, was innen und außen geschieht. Manchmal, wenn die Aufmerksamkeit sehr ruhig und klar ist, erkenne ich unmittelbar, dass kein Beobachter da ist: Alles ist. Diese Art von Aufmerksamkeit lässt sich kaum fassen: Begeisterung kommt auf, ich möchte sie für mich in Anspruch nehmen, etwas daraus machen, etc., was sie natürlich gleich zerstört.
Klar. Es bleibt immer sehr flüchtig. Man kann es nicht fassbarer machen; dadurch würde es verschwinden. Die Wachsamkeit und das Sich-seiner-selbst-erinnern weiterzuentwickeln ist der einzige Weg, um diese Flüchtigkeit am Leben zu erhalten.
Während meiner kürzlichen Kanadareise bemerkte ich, wie alte Muster einschränkender Emotionen und Verhaltensweisen – Unsicherheiten und Sorgen - wieder an die Oberfläche kamen. Ich fühlte mich in diesen Gefühlen ziemlich "gefangen". Das überraschte mich, denn ich hatte mich eine zeitlang ziemlich frei gefühlt. Ich habe den Eindruck, dass Deine Methode darin besteht, diese Gefühle bewusst zu erleben. Kannst Du mir einen praktischen Ratschlag geben?
Nein. Ich arbeite nicht mit diesen Gefühlen. Sie sind völlig nutzlos. Mit NLP kann man lernen, sich davon zu dissoziieren. Dies ist unverzichtbar für die Arbeit am Ur-Credo. Ängste und Befürchtungen aller Art sind ein Hindernis: Ein Widerstandsmechanismus, um dem Trennungsschmerz zu entkommen. Wie gehst Du im allgemeinen mit negativen Gefühlen um?
Kürzlich hatte ich eine ganze Flut negativer Gefühle, wozu ich anfälliger als sonst war, da ich unter schlechter Gesundheit litt. Ich kann Dir konkret sagen, dass ich starke negative Emotionen ganz einfach erleide; ich bin in ihnen gefangen, größtenteils unbewusste Dialoge einschließlich intensiver Selbstkritik. In sozialen Situationen, d.h. wenn andere Menschen um mich sind, halten mich die herkömmlichen Umgangsregeln davon ab, mich wirklich auf das einzustimmen, was in mir vorgeht. Phantasien darüber, wie mich andere Leute wahrnehmen, verzerren meine Wahrnehmung der Situation und meiner Handlungen und der anderen. Mir geht es wie einem Bootfahrer auf einem Fluss mit einer starken und unvorhersehbaren Strömung. Ich versuche so gut es geht von Augenblick zu Augenblick die gefährlicheren Klippen zu umschiffen.
Okay. Ich empfehle Dir, Ouspenskys "Auf der Suche nach dem Wunderbaren" zu lesen; besonders die Abschnitte über inneres und äußeres sich Richten.
Wenn ich weniger negative Gefühle habe, d.h. wenn ich mich ressourcevoll und zuversichtlich fühle, und ich bemerke, dass ich wegen etwas angespannt oder ängstlich werde, oder wenn sich einfach mein Nacken, die Schultern und Teile meines Gesichtes verspannen, dann wirkt das als Aufmerksamkeits-Anker. Ich bemerke die Anspannung, die Gefühle, die Gedanken, und stelle gleichzeitig fest, dass das nicht ich bin, - und bemerke, dass sich das Gefühl, der Gedanke etc. verändert und schließlich verschwindet. Statt des Gefühls rückt die Aufmerksamkeit ins Zentrum. Aufmerksam und wach sein und dabei bleiben.
Gut. Ich empfehle Dir auch, alles über "Sich seiner selbst erinnern" im oben erwähnten Buch zu lesen.
In welchem Sinne ist endgültige Befreiung eine andere logische Ebene als ein existentieller Durchbruch?
Extase ist nicht Befreiung. Die Explosionen in einem Automotor sind nicht das Auto. Wenn Du befreit bist, wirst Du nicht ständig in dieser Extase sein. Sie erscheint von Zeit zu Zeit, ohne durch irgendetwas verursacht zu sein. Die allumfassende Wahrnehmung ist Nichts (im Vergleich zu "Etwas", welches die Identität bevorzugt).
Ich habe die Abschnitte über "Sich selbst richten" in Ouspenskys Buch noch mal gelesen. Es ist gut, daran erinnert zu werden. Ich sollte hinzufügen, dass dieses unselige "sich innerlich richten" etwas ist, was ich jetzt wesentlich seltener tue als früher.
Es geht nicht darum, es weniger zu tun, sondern es überhaupt nicht mehr geschehen zu lassen. Ich schlage vor, dass Du – wann immer innerliches-sich-richten aufkommt – statt "Sich selbst richten" in Gedanken äusserliches-sich-richten praktizierst, was auf gewisse Weise die Nicht-Trennung vorwegnimmt. Tue so, als ob jeder, der Dir in den Sinn kommt, ein freundlicher Fremder ist, der Dich nicht beurteilt.
Während meiner letzten Kanada-Reise kamen Krankheit, Schlafmangel und soziale Spannungen zusammen, und schwächten meine Fähigkeit achtzugeben. Ich hatte buchstäblich keine Energie, und spürte, dass ich, wie in einem schlechten Traum, in Zustände, Gewohnheiten und Verhaltensweisen zurückfiel, die ich längst überwunden geglaubt hatte. Im Rückblick bin ich froh, dass das passierte. Ich war dabei, etwas selbstgefällig zu werden.
Da Du nicht die inneren Zustände bist, die Deine Maschine produziert, kannst du gleich den nächsten Schritt tun: Welcher innere Zustand auch immer vorliegen mag, spielt überhaupt keine Rolle. Konzentriere Dich mehr und mehr auf das, was (jetzt) ist, ohne es zu interpretieren, unabhängig von angenehmen oder unangenehmen inneren Zuständen. Einen Zustand angenehm oder unangenehm zu nennen, ist bereits eine Beurteilung.
Die Hauptfrage: Wie kann ich mich öfter und dauerhafter meiner selbst erinnern?
Eine der besten Übungen ist es, morgens zweimal aufzuwachen: Erst das gewöhnliche Aufwachen, und gleich darauf sich seiner selbst erinnern (self-remembering); und dann: sich seiner selbst zu erinnern, wenn man schlafen geht. Außerdem ist es hilfreich, sich die Hauptaktivitäten des Tages in chronologischer Reihenfolge ins Gedächtnis zu rufen, bevor man einschläft. Um Dich dauerhafter zu erinnern, musst Du möglichst oft überprüfen, ob Du Dich im Zustand der Selbsterinnerung befindest, oder nicht. Wenn ja, dann versuche, dabei zu bleiben; andernfalls versuche, dorthin zurückzugelangen. Versuche auch, herauszufinden (nicht jedes Mal, aber zumindest hin und wieder), was genau dazu geführt hat, dass Du Dich/es in einer bestimmten Situation vergessen hast.
Du hast gesagt, dass es für das Sich-seiner-selbst-erinnern keine Anker geben könne. Aber, es sei möglich, sich Anker für die "nicht auswählende Aufmerksamkeit" (uptime) zu schaffen. Wäre es von Vorteil, das als Hilfe zum Sich-seiner-selbst-erinnern zu tun?
Das kommt drauf an. Sobald Du den Unterschied zwischen Sich-seiner-selbst-erinnern und "uptime" wirklich erkannt hast (weder intellektuell noch emotionell), was gleichzeitig bedeutet, dass Du "wissen" kannst, was Sich-seiner-selbst-erinnern ist, hast Du es nicht mehr nötig, "uptime" zu ankern. Das Sich-seiner-selbst-erinnern geschieht auf einer höheren logischen Ebene als "uptime" (es beinhaltet die vorsinnliche Wahrnehmung, und arbeitet mit Energien des höheren emotionalen Zentrums; es benötigt sehr viel mehr Wachsamkeit). Sobald Du "weißt", was Sich-seiner-selbst-erinnern ist, kannst Du die "uptime"-Übung weglassen. Da Sich-seiner-selbst-erinnern eine nicht definierbare Aufmerksamkeit ist (sie kann nie ganz erfasst werden), braucht man normalerweise einen Lehrer, der einem "zeigt", was Sich-seiner-selbst-erinnern ist, und was nicht.
Ich glaube, dass ich ein Gespür dafür entwickelt habe. Einige von Douglas Hardings "Experimenten" sind mir dabei behilflich. Glaubst Du, dass das möglich ist?
Soweit ich sagen kann, sind diese Übungen (Ich machte einige davon vor etlichen Jahren in einem Workshop mit D.H.) hilfreich, aber nicht ausreichend, um sich seiner selbst zu erinnern. Versetzen sie Dich in einen Zustand besonderer Aufmerksamkeit, wenn Du sie machst? Einen Zustand, der sich von allen "gewöhnlichen" inneren Zuständen unterscheidet? Falls ja, dann handelt es sich nicht um Sich-seiner-selbst-erinnern.
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sind D.H.´s Experimente "objektiv" unzureichend, um sich seiner selbst zu erinnern, oder es hat bei Dir damals einfach nicht "geklickt", als Du sie im Workshop mit D.H. gemacht hast.
Als ich den Workshop mit ihm machte, wusste ich bereits, was Sich-seiner-selbst-erinnern ist. Meines Erachtens ist seine Lehrmethode für Menschen, die sich nach dem Erwachen sehnen, unzureichend. Das soll aber nicht heißen, es wäre nicht hilfreich und nützlich, seinem Rat zu folgen. Die Übungen weisen eindeutig auf die Natur des eigenen Selbst hin: Das Nichts.
Meiner eigenen Erfahrung nach fügen die Experimente nichts zu meinen inneren Zuständen hinzu, aber sie führen zu einer Verlagerung der Aufmerksamkeit auf die Quelle des Bewusstseins, und zu einer Wahrnehmung (oder Intuition?) der Leere, der Nicht-etwas-heit *hier* (auf mich selbst zeigend). Es ist buchstäblich eine doppelte Aufmerksamkeit, gleichzeitig nach außen und nach innen zu schauen. Ich finde, dass die Frage "wer?" – wer sieht dies, wem geschehen diese Gedanken – hilfreich ist.
Ja, ich erinnere mich daran, dass es mir genauso ging.
Es gibt vielleicht einen entscheidenden, aber sehr subtilen Unterschied: Ein Gefühl von Leichtigkeit, von Unbeschwertheit in der Aufmerksamkeit, selbst wenn der Körper oder die Gefühle angespannt sind. (Ich finde aber, dass starke gefühlsmäßige Bewegungen den Zustand der Aufmerksamkeit unterbrechen können.)
Ja, das ist der schwierigere Teil des Sich-selbst-erinnerns. Unangenehme Gefühle müssen sofort "gebändigt" werden, wenn sie aufkommen, damit man sich nicht vergisst. Je mehr Du ihnen erlaubst, sich in Deinem Nervensystem auszubreiten (d.h. je mehr Realität Du ihnen verleihst, je mehr Du glaubst, sie seien real), desto tiefer wird das Vergessen, und desto schwieriger wird es, zum Sich-seiner-selbst-erinnern zurückzugelangen. Mit ekstatischen Gefühlen ist es ebenso. So zu tun, als ob Gefühle unwichtig sind, ist hilfreich. Sich seiner selbst zu erinnern ist wichtiger als Gefühle.
Ich schrieb oben: "Die Experimente fügen nichts hinzu". Das ist buchstäblich wahr: Sie fügen die Dimension des Nichts hinzu, und damit ein Gewahrsein der Leere. Ich glaube aber, dass das eine Nebenwirkung ist. Hauptsächlich geht es darum, diese Frage nach dem "Wer" am Laufen zu halten. Meinst Du, dass das so stimmt? Stimmt das mit dem überein, was Du lehrst? Was fehlt bei der Aufmerksamkeit, wie sie durch Douglas Hardings Experimente erschlossen wurde?
Ich kann mich nur auf den Workshop beziehen, den ich mit ihm gemacht habe. Zwei Hauptaufgaben sind bei der Arbeit an sich selbst zu bewältigen: Das "Falsche" zurückzuweisen (Arbeit an negativen Gefühlen und am Ur-Credo, auch wenn es woanders anders genannt wird), und zu bejahen, was "wirklich" ist. So weit ich weiß, fehlt der erste Teil bei D.H.´s Lehre völlig. Der andere Teil ist recht nützlich, aber auch unvollständig, soweit ich es erlebt habe. Was gefehlt hat, war die Rückkehr zu der Wahrnehmung, wie du sie vor der Übung hattest. Ich will damit sagen, dass das Nichts alleine nicht vollständig ist. Wenn Du seine Übung machst, dann gehe am Ende zurück zur "normalen" Wahrnehmung, und bleibe gleichzeitig im Nichts. Verstehst Du das? Ich kann es nur schwer erklären.
Wenn D.H.´s Methode unzureichend ist – und auch unzureichend, um das Sich-seiner-selbst-erinnern zu üben - kannst Du mir einen Rat geben, wie ich das Mich-meiner-selbst-erinnern erreichen kann? Gibt es dafür eine Methode, die ich anwenden kann? Worin unterscheidet es sich vom "zweigleisigen Sehen"?
"Zweigleisiges Sehen" ist in Ordnung. Wenn es genügend differenziert ist, so dass Du in allen Arten von Situationen dabei bleiben kannst; dann gibt es keinen Unterschied zum Sich-seiner-selbst-erinnern. Sich-seiner-selbst-erinnern nimmt die Nicht-Trennung in jeder Situation, die Dir begegnen könnte, vorweg. Was tust Du, um es den ganzen Tag lang zu erhalten? Nehmen wir an, Du bist beim "zweigleisigen Sehen". Was ist der Unterschied, wenn Du alleine bist, oder wenn Du Dich mit jemandem unterhältst? Was tust Du, wenn sich eine Situation ergibt, die Dich aus der Fassung bringt? Wie gehst Du z.B. mit dem Gefühl von Ungerechtigkeit um, wenn es auftaucht? (Gehe zur Beantwortung dieser Frage zu konkreten Situationen zurück, und richte dein Augenmerk darauf, was genau in Dir vorging.)
Sich-seiner-selbst-erinnern schließt alle nur möglichen Situationen ein, denen Du im Leben begegnen kannst.