Interview mit Christian Campfield


Christian: Kannst Du uns einen kurzen Überblick über Deine persönliche Entwicklung geben?

Wolfgang: Der eigentliche Anfang meiner Entwicklung war im Jahre 1970. Zu der Zeit studierte ich an der Frankfurter Uni und nahm aktiv an den in den Endzügen liegenden Studentenrevolte teil. Wie die meisten jungen Leute damals war ich desillusioniert und enttäuscht darüber, daß die Gesellschaft und all ihre Leiden unverändert geblieben war und sich nicht zu einem neuen Humanismus hin entwickelte. Ein großer Schock war für mich die Erkenntnis, daß dieses Leiden auch in mir selbst war. Aus diesem Schock entsprang die erste bewußte existentielle Frage meines Lebens: "Wer bin ich, was hat mein Leben für eine Bedeutung? Solange ich darauf keine Antwort gefunden habe, kann ich nicht für andere Ziele leben. 

Diese Fragen waren der Grundstein meiner Suche. Ich war 22, und von nun an war die Suche nach dem Lebenssinn das Zentrum meines privaten und beruflichen Lebens. Mein erster Lehrer war Mahindra, ein indischer Yogalehrer. Er war sehr sanft und gut und lehrte mich viele "geheime  Yoga-Techniken, die er von verschiedenen indischen Meistern gelernt hatte. Ich tat mein Bestes und unternahm alle möglichen Anstrengungen, um den berühmten Samadhi-Zustand zu erreichen. Nachdem zwei Jahre harter Arbeit keine Resultate gebracht hatten, beschloß ich, andere Ansätze zu erkunden und schloß mich kurzzeitig verschiedenen Gruppen an, wie Theosophen u.a. Dann unternahm ich eine Reise nach Süddeutschland, wo es mehrere spirituelle "New Age"-Zentren gab; in einem davon begegnete ich einem Indienreisenden, der gerade von einem Besuch bei einem, wie er sagte, "Super-Guru  (Bhagwan Shree Rajneesh) zurückkam. Nach der Lektüre einiger Texte (Mitschriften von Rajneesh's Vorträgen) fühlte ich mich stark zu ihm hingezogen. Ich beschloß, alles, was ich basaß, zu verkaufen und ein Flugticket nach Bombay zu lösen. Um es kurz zu machen: die Beziehung zu Bhagwan war sehr intensiv, und ich konnte endlich die tiefen spirituellen Erfahrungen machen, nach denen ich mich so gesehnt hatte. Es war, als ob alle bisherigen Anstrengungen nun endlich ihre Früchte trugen. Der Gipfel war dann, daß ich sechs Wochen lang in einem Zustand unbeschreiblicher Entrücktheit lebte. War das nun Samadhi? Ich ging zu Bhagwan, um ihn zu fragen, ob das die Erleuchtung sei, und er antwortete ganz sanft: "Es ist unmöglich, das Licht, das die Dunkelheit erhellt, nicht wahrzunehmen.  Augenblicklich verschwand der glückselige Zustand, und ich war wieder in der Normalität. Ich wußte jetzt, daß es noch viel Arbeit gab, daß ich alles getan hatte was ich konnte, und daß nun Geduld nötig war. Also wartete ich, fuhr nach Deutschland zurück und begann als Gruppentrainer im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten (Hypnotherapie, Tantra, Dynamische Meditation etc.). Ein paar Jahre später zog ich um in den Süden Frankreichs; dort hörte ich dann von NLP. Zu der Zeit war ich recht frustriert, denn mein eigentliches Ziel, Befreiung zu erlangen, hatte ich immer noch nicht erreicht und hatte auch fast alle Hoffnung verloren, daß es einmal dazu käme. Für mich sah es so aus, daß ich alles dafür getan hatte, was in meinen Möglichkeiten stand.

Ich las alle verfügbaren NLP-Bücher und entschloß mich, eine NLP-Ausbildung zu machen. Die Gedanken dazu sahen etwa so aus: "Von meiner Inspiration ist nichts übriggeblieben, und ich kann nichts mehr unternehmen, um der Befreiung näher zu kommen. Warum nicht NLP lernen und praktizieren? Vielleicht geht es mir dann wenigstens gut oder sogar noch besser als gut, bis eines Tages vielleicht irgendetwas meiner eigentlichen Suche wieder Aufwind gibt? 

Ich machte also die NLP-Ausbildung und arbeitete gleichzeitig als Psychotherapeut. Dann, ich glaube es war zwei Jahre nach Ende der "Master Practitioner"-Ausbildung, begegnete ich Yvan Amar. Er behauptete, die Befreiung erlebt zu haben, nach der ich suchte. Zudem bot er mir die Möglichkeit eines persönlichen Kontaktes an, etwas, das für mich sehr wichtig war. Wir haben über viele Dinge gesprochen, und er muß gefühlt haben, daß ich im Grunde gar nicht mehr so richtig an die Möglichkeit meiner Befreiung glaubte. Er sagte mir unter anderem: "Paß auf, daß das kleine Flämmchen nicht verlöscht.  Zwei oder drei Nächte später wachte ich aus einem Traum auf, in dem ich auf Skiern mit etwa 70 km/h einen schneebedeckten Hang abwärts raste. Dann schlug mein Kopf gegen einen großen Ast, der über die Piste ragte. Durch den heftigen Aufprall fand eine Explosion im Innern meines Hirns statt. Am nächsten Tag war alles anders als bisher: Verwirrung, Nichts, Wissen und Nichtwissen im Wechsel. Eine dreijährige Reinigungsperiode begann, während der mir Yvan als kompetenter Freund zur Seite stand. Am Ende wurde alles still. Diese Stille hat mich nie wieder verlassen.

Was hat Dir am NLP gefallen?

Ich war vor allem fasziniert von der Möglichkeit, Sprache als Vehikel zu benutzen, um Veränderungen auf der strukturellen Ebene des menschlichen Nervensystems zu bewirken; besonders das Meta-Modell der Sprache hatte es mir angetan. Im Bereich der Psychologie und der Selbsterkenntnis war hier ein neuer Durchbruch geschaffen worden. Die Vorträge von Richard Bandler und die Schriften Alfred Korzybskis beschäftigten mich am meisten. Später, als Submodalitäten und die Arbeit mit Glaubenssystemen dazu kamen, entdeckte ich, daß sich NLP auch für die Erforschung der menschlichen Tiefenstruktur eignet.

Wie hast Du die Arbeit mit Glaubenssystemen in der Erforschung von Tiefenstrukturen eingesetzt, und was bezeichnest Du als "Ur-Credo"?

Laut NLP-Vorannahmen sind Glaubenssysteme die verborgendsten, die unbewußtesten Strukturen der menschlichen Psyche. Da ich schon immer wissen wollte, was "hinter den Kulissen  geschieht, habe ich während und nach meiner NLP-Ausbildung viel Eigenarbeit betrieben, um mir meiner unbewußten Glaubenssysteme immer bewußter zu werden. Eines Tages wurde mir plötzlich klar, daß keine, aber auch keine einzige, meiner so zu Tage geförderten Überzeugungen meine eigene war: ich hatte sie alle von anderen Leuten übernommen, also angelesen oder gehört und dann zurechtgebogen und angepaßt. Alle Meinungen, die ich zu den verschiedensten Fragen des Lebens hatte, stammten von Anderen, waren "Second Hand".

So entstand die nächste Frage: wenn keine meiner Überzeugungen meine eigene ist, wie kommt es dann, daß ich an sie glaube? Intuitiv spürte ich, daß die Antwort auf diese Frage mich dem Verständnis für den Ursprung menschlichen Funktionierens näher bringen würde. Ich ging davon aus, daß hinter allen Glaubenssystemen, Überzeugungen, Meinungen, Ideologien und Konzepten ein grundlegender Glaubenssatz steckt, der dafür sorgt, daß jemand an seine Überzeugungen glaubt. Dieser Glaubenssatz, dieses "Ur-Credo", ist für die Identität das, was der Stamm für den Baum ist: das zentrale Element.

Welche Bedeutung hatte NLP für Dich bei Deiner Suche nach dem Absoluten? Welche Techniken und Fertigkeiten aus dem NLP-Repertoire haben in diesem Prozeß eine Rolle gespielt?

Zunächst habe ich zwischen NLP und meiner Suche keine Verknüpfungen gemacht. Mit einer Ausnahme: während der "Master-Practitioner"-Ausbildung stand ein Drei-Tage-Seminar unter der Leitung eines Trainers, der bei Gene Early, einem NLP-Trainer der ersten Stunden, gelernt hatte. Er zeigte uns eine Übung, die ich heute noch benutze und die ich "Das Aufspüren des Essentiellen Wertes  nenne. Es hat mich nachhaltig beeindruckt, zutiefst zu spüren, wer ich bin. Viel später, als ich mit einem befreundeten NLP-Trainer neue Glaubenssatz-Übungen ausprobierte, stieß ich plötzlich und völlig unerwartet auf das, was ich jetzt das "Ur-Credo  nenne. Damals vermutete ich intuitiv, hier etwas sehr Wichtiges entdeckt zu haben, aber erst Jahre später gelang es mir, es in Worte zu fassen.

Wo liegt der Unterschied zwischen dem, was Du vermittelst und dem, was man von einer traditionellen NLP-Ausbildung erwarten kann?

Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil, und jeder hat seine nur ihm eigenen Kriterien und Schwerpunkte. Meine Kriterien bringen es mit sich, daß ich nur Teilnehmer akzeptiere, deren Priorität klar formuliert ist: "Wer bin ich?  oder "Was kann ich tun, um Befreiung zu erlangen?"

Ist der Ur-Credo-Prozeß für jedermann zugänglich?

Ich empfehle stets, vorher mein Buch zu lesen. Für den Ur-Credo-Prozeß braucht man eine gründliche mentale und emotionale Vorbereitung. Viel von dem, was man in einer NLP-Ausbildung lernen kann, ist hier sehr nützlich, sofern der Trainer nicht allzusehr nur die intellektuellen Aspekte betont.

Kannst Du den vorsinnlichen Zustand beschreiben?

Zuerst einmal, es handelt sich nicht um einen Zustand. Wäre es einer, so könnte man ihn beschreiben. Zweitens, er kann nicht beschrieben werden: er ist, per Definition, unbeschreibbar, unnennbar. Wer imstande ist, jetzt-unmittelbar-sofort all das wahrzunehmen, was nicht nennbar ist, kann einen kurzen Einblick bekommen.

Ist es Glückseligkeit?

Weder Glücklichsein noch Unglücklichsein.

Wenn es nichts mit Glücklichsein oder überhaupt mit Wohlbefinden zu tun hat, was ist es dann?

Es läßt sich nicht beschreiben, und es läßt sich nicht erfahren. Glück und Wohlbefinden sind erfahrbar. Vorsinnliche Wahrnehmung öffnet sich manchmal, wenn der Drang zu wissen, worum es im Leben wirklich geht, so stark wird, daß er Dich über Dein Ur-Credo hinausträgt. Eine Vorannahme kann hierbei helfen: daß es im Leben etwas gibt, das noch höheren Wert hat als Wohlbefinden, Glück oder beruflicher/privater Erfolg.

Was hat sich für Dich geändert, seit Du vollständig im Zustand der vorsinnlichen Wahrnehmung etabliert bist?

Zunächst und vor allem, es ist kein Zustand. Zweitens würde ich nie sagen, daß ich VOLLSTÄNDIG in der vorsinnlichen Wahrnehmung etabliert bin. Drittens ist es unmöglich, sich in der vorsinnlichen Wahrnehmung zu ETABLIEREN. Viertens ist es unmöglich, SICH in der vorsinnlichen Wahrnehmung zu etablieren.

Vorsinnlich ist außerhalb der Zeit, und es läßt sich weder messen noch erreichen, denn es ist immer präsent. Dennoch ist keines der mentalen Werkzeuge, über die wir verfügen, imstande, es zu erfassen.

Du fragst: "Was hat sich für Dich verändert?  Während einer Konferenz wurde mir einmal die Frage gestellt: "Wenn Du an Dein früheres Leben zurückdenkst, wie würdest Du es beschreiben?  Es dauerte eine Weile, bis ich wieder Kontakt dazu bekam, und meine Antwort war: "Im Vergleich zu jetzt war es die Hölle. 

Was meinst Du damit "es war die Hölle"? Was ist anders geworden? Für alle NLPler, die uns vielleicht zuhören: was genau ist anders geworden?

Es war die Hölle verglichen mit jetzt. Die Hölle ist wie ein Traum. Wenn Du träumst, dann hast Du manchmal wunderbare, extatische Träume und manchmal Albträume. Hätte man die Wahl, so würde man sich nur schöne Träume aussuchen und nie Albträume - aber Traum bleibt Traum. Mein grundlegendes Ziel war es, nicht im Traumzustand zu bleiben, auch wenn NLP hervorragend geeignet ist, die schönen Träume zu fördern und die schrecklichen schwinden zu lassen. Ich wollte aus dem Traum erwachen. "Was genau ist anders geworden?  fragst Du. Ich suche nichts mehr. Meine existentielle Suche ist über ihr Ende hinausgegangen. Ich habe kein Interesse mehr daran, nach angenehmen inneren Zuständen zu streben. Wie immer die inneren Zustände auch aussehen mögen, die in mir entstehen, es ist in Ordnung für mich. Und, last but not least, bin ich imstande, an meine Überzeugungen nicht mehr zu glauben. An das zu glauben, was man glaubt, ist die Hölle im Vergleich dazu, nicht mehr an das zu glauben, was man glaubt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es "gute", sinnvolle Überzeugungen sind oder nicht. Und wenn es mir schlecht geht, so leide ich nicht mehr darunter.

Wenn die vorsinnliche Wahrnehmung "zeitlos  und nicht meßbar ist, kann man sie erlernen? Und wenn ja, wie?

Nein, sie ist nicht erlernbar. Um Zugang zu dieser Wahrnehmung zu erlangen, muß man verlernen. Laß mich darauf näher eingehen. Du hast in Deinem Leben eine Menge gute und sinnvolle Dinge gelernt, die Dir ermöglicht haben, Dein Leben mehr oder weniger zufriedenstellend zu gestalten. All dies brauchst Du selbstredend nicht zu verlernen. Es geht im Grunde vor allem darum, das "Glauben an Überzeugungen  zu verlernen. Hierzu kann es helfen, wenn Du ein paar Wochen aufmerksam Deinem inneren Dialog lauschst, denn dort befinden sich, meist verschlüsselt, Deine Überzeugungen, Glaubenssysteme, Konzepte etc. Jedes Mal, wenn Du eine Überzeugung oder eine Meinung entdeckst, tu so als glaubtest Du nicht an diese Deine eigene Meinung zu diesem Thema. Um nachhaltige Resultate zu erzielen, mußt Du Deinen inneren Dialog ständig beobachten. Nach einiger Zeit wirst Du schrittweise herausfinden, wie das geht: den Glauben an die eigenen Überzeugungen verlieren. Je weiter Du in diesen Prozeß eindringst, desto besser stehen die Chancen, daß die vorsinnliche Wahrnehmung hin und wieder hervorbricht.

Kommt es vor, daß Du unangenehme Emotionen erlebst?

Ja.

Was macht Dich glücklich?

Es gibt so viele Dinge jeden Tag, die mich glücklich machen. Ich bin glücklich, wenn ich allein bin, und ich bin glücklich, wenn mein Kind nach Hause zurückkommt, ich bin glücklich über gute Neuigkeiten, und so fort.

Und traurig?

Was mich wirklich traurig macht ist, ein Kind leiden zu sehen.

Und wütend?

Ich kann wütend werden, wenn jemand versucht, mich hinters Licht zu führen.

Empfindest Du jemals Sorge oder Angst?

Es gibt zwei grundverschiedene Arten von Angst. Die eine, die ich "instinktive  Angst nenne, ist eine normale physiologische Reaktion auf eine reale Gefahr von außen. Sie wirkt wie ein Alarmsignal, das auf eine Bedrohung aufmerksam macht. Angenommen, Du hörst plötzlich, wie jemand Deine Wohnungstür aufbricht. Oder die instinktive Angst einer Mutter, deren Kind eine Milchallergie hat; sie muß ihre Angst in Wachsamkeit verwandeln, damit es keinerlei Milchprodukte zu sich nimmt. Diese Art von Angst ist sehr nützlich.

Eine ganz andere Angst ist die, die die Menschen sich selber einjagen, wenn sie zukünftige oder gegenwärtige bedrohliche Situationen halluzinieren oder repräsentieren. Wenn solche Halluzinationen sich in mir abspielen, so bin ich imstande, ihrer Existenz keinen Glauben zu schenken. Ich weiß, daß es mein eigener Geist ist, der halluziniert. Ich erlebe diese Sorgen und Ängste also durchaus, aber nur den Bruchteil einer Sekunde lang, und dann weiß ich, was ich tun und lassen muß, damit sie sich nicht in meinem Nervensystem ausbreiten.

Was ist Dir wichtig?

Meinen Verpflichtungen auf die bestmögliche Weise gerecht zu werden.

Was wäre für Dich etwas, was das Leben Dich noch lehren möchte? Wenn man in der vorsinnlichen Wahrnehmung lebt und dies das Ende bedeutet, was bleibt dann danach?

Es gibt Situationen, wo ich für andere da bin; andere Situationen, in denen ich lerne, noch andere, wo ich zuhöre. Und es gibt Situationen, in denen ich Fehler mache und mißverstehe. All dies gehört zum Leben. Die letztendliche Lektion im Leben ist, Bescheidenheit und Demut zu lernen, nicht ein für alle Mal, sondern immer wieder aufs Neue.

Entwirfst und erschaffst Du dann Deine inneren Zustände?

Nein. Wie auch immer der innere Zustand aussieht, der gerade präsent ist, es ist okay für mich. Innere Zustände sind für mich belanglos geworden.

Belanglos?! Wie machst du es denn, wenn du einen bestimmten inneren Zustand brauchst, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen?

Was ansteht, mache ich. Allerdings weiß ich letzendlich nie, warum ich was mache. Ich kümmere mich nicht um meine inneren Zustände. Der Essentielle Wert ist in gewissem Sinne immer eine Ressource, egal was für ein innerer Zustand gerade präsent ist.

Was ist der Unterschied zwischen Ur-Credo und Essentiellem Wert?

Die größte Herausforderung unseres Lebens ist es, über das Ende unserer persönlichen Evolution hinauszugehen und uns von unserer Identität zu lösen, bevor wir uns beim Sterben von unserem Körper lösen; das ist der Graal, das beste, was in jedem von uns schlummert und darauf wartet, erweckt zu werden. Hierzu eine Passage aus meinem Buch:

"Alle existentiellen Fragen finden ihre Antwort im Essentiellen Wert. Wenn er unser alltägliches Leben prägt und bestimmt, verschwinden sowohl die Fragen als auch die Antwort. Alle existentiellen Fragen finden ihre Antwort im Essentiellen Wert. Wenn er unser alltägliches Leben prägt und bestimmt, verschwinden sowohl die Fragen als auch die Antwort. Jeder Mensch unterscheidet sich genetisch vom anderen, und genauso verhält es sich auch mit dem Essentiellen Wert.

Wenn ein Mensch lebendiger Ausdruck seines Essentiellen Wertes geworden ist, so hat das weitreichende Konsequenzen für sein Leben: Der Kontakt mit seiner innersten Berufung ist nun hergestellt, und er erfährt ganz wie von selbst, wie es ist, voll und ganz zu sich und seinen Handlungen zu stehen. Im Gegensatz zu den Kriterien, die uns motivieren oder demotivieren können, brauchen wir auf der Ebene des Essentiellen Wertes solche Stimulanzen nicht mehr: Jemand, der sein Leben aus diesem Wert heraus gestaltet, erfüllt die sich ihm stellenden Lebensaufgaben, ohne (sich) Fragen zu stellen. Ob er möchte oder nicht, ob er motiviert ist oder nicht, das steht hier nicht zur Debatte.

Das Aufdecken des Essentiellen Wertes ist ein zentrales Geschehen im Leben, ein direkter Zugang zum Herzen unserer menschlichen Natur: ein energiegeladenes, schicksalhaftes Ereignis, das zeitweise alle bisher als wichtig empfundenen Kriterien relativiert und sie als das entlarvt, was sie sind, nämlich Dienstboten unseres Eigennutzes. Die Bewußtseinsebene, zu der der Essentielle Wert uns Zugang verleiht, ist nicht nur die des Sich-selbst-Wiedererkennens, sondern des Wiedererkennens der Existenz als solcher, des Lebens, der Schöpfung. Wir erleben das Sichvereinen des persönlichen Essentiellen Wertes mit der Bestimmung des Ganzen in einer freudig-demütigen inneren Haltung. Die persönliche Motivation verwandelt sich in existentielles Pflichtgefühl. Diese Pflicht wird keinesfalls als Einschränkung erlebt, sondern eher als eine ganz natürliche Gewißheit: eine nicht einengende, keine Gegenleistung erwartende Verbindlichkeit. Was übrigbleibt, ist eigennutzfreies Handeln. 

Hier finden wir die Quelle aller Mensch-lichkeit, verkörpert in einem Individuum, Mann oder Frau, und alle Manifestationen des Essentiellen Wertes sind begleitet von einer (kindlichen) Unschuld und spielerischer Freude.

Was würde passieren, wenn man nur am Ur-Credo oder nur am Essentiellen Wert arbeiten würde?

Stellen wir uns einmal jemanden vor, der durch gezielte Arbeit an sich selbst bis in den Bereich jenseits von seinem/ihrem Ur-Credo gelangt ist und im Bewußtsein der vorsinnlichen Wahrnehmung lebt, ohne daß sich der Essentielle Wert offenbart hat (das ist natürlich ein extremes und hypothetisches Beispiel). Man könnte glauben, die Arbeit sei hiermit beendet. Das Nichts ist zum Zentrum des Seins geworden. Und doch wäre dies eine unvollständige "Befreiung". Die Identität ist durchschaut worden als der Mythos, der sie ist... Was könnte da noch zu erreichen sein? Hier die Antwort eines Zen-Meisters : "Erreicht ein gewöhnlicher Mensch Befreiung, ist er ein Weiser; erreicht ein Weiser Befreiung, ist er ein gewöhnlicher Mensch. 

Der Essentielle Wert kann erst nach Außerkraftsetzen des Ur-Credos richtig aufblühen, aber das Überwinden des Ur-Credos stellt nicht automatisch hinreichenden "Dünger  für die entwicklung des Samens des Essentiellen Wertes dar.

Wie sieht es aus, wenn nun jemand mit seinem Essentiellen Wert in Kontakt kam, ohne am Ur-Credo gearbeitet zu haben? Der Keim des Essentiellen Wertes bleibt nichts als ein Keim, ein Potential, solange Reste der trennenden Identität bestehen. Vielleicht wachsen einige Wurzeln, aber mehr auch nicht. Erst das Ausschalten der Identität bereitet den Boden vor, damit das Samenkorn des Essentiellen Wertes fruchtbare Erde findet, gesunde Wurzeln schlagen und Früchte tragen kann: so wird der Essentielle Wert der kreative Ausdruck für die Einzigartigkeit des Betreffenden.

Was ist der Sinn Deines Lebens?

Ich vermute, diese Frage bezieht sich auf den existentiellen Aspekt des Lebens. Da ich im existentiellen Bereich nicht in Begriffen von Sinn und Zweck denke, kann ich hierauf keine Antwort geben.

Warum gibst Du keine Antwort auf die Frage?

Weil ich auf der existentiellen Ebene nicht in Begriffen von Sinn und Zweck denke.

Hat das Leben als solches einen Zweck oder eine Bedeutung?

Ich glaube nicht, daß es einen allgemeingültigen Sinn gibt. Jede(r) gibt dem Leben seinen/ihren individuellen Sinn.

Warum tust Du, was Du tust?

Die Frage ist zu allgemein gestellt. Ich könnte Dir z.B. sagen, warum ich jetzt im Moment Deine Fragen beantworte.

Warum unterrichtest Du Deine NLP-Methodologie?

NLP-Werkzeuge gehören unbedingt zu dem dazu, was ich lehre. Ich finde sie sehr hilfreich für alle, die durch den "Ur-Credo Prozeß  hindurchgehen wollen. Was meine Lehrtätigkeit angeht: die Freude am Teilen bringt mich dazu, Kurse zu leiten.

Was sind die Gründe, aus denen sich jemand auf den Weg zur Befreiung macht?

Im Leben des Betreffenden muß ein Ereignis, ein Erlebnis ihm deutlich gemacht haben, daß Befreiung nicht nur möglich, sondern auch erreichbar ist.

Wenn Du irgendetwas verändern könntest im Leben, was wäre das?

Die Frage ist wieder zu allgemein gehalten. Wenn es etwas zu verändern gibt, so kann das nur in einem spezifischen Bereich sein, in den ich persönlich eingebunden bin.

Würdest Du dem Hunger in der Welt ein Ende bereiten, oder Obdachlosen zu einem Dach verhelfen? (Dies ist eine hypothetische Frage, ich weiß.)

Mein gegenwärtiger Platz im Leben erlaubt es mir nicht, globale Gesellschaftsprobleme zu lösen, und ich habe auch nicht die notwendigen Kompetenzen, um über dies Thema zu sprechen.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

All meine Zukunftspläne sind hypothetischer Art, denn Vorbedingung ist immer: "Wenn ich dann noch am Leben bin, mache ich dies oder jenes". Sei bitte spezifischer.

Wirst Du weiterhin mit Menschen an ihrem Ur-Credo arbeiten?

Ja.

Was ist das größte Hindernis auf der Suche nach dem Eigentlichen?

Hier gibt es keine generelle Antwort. Manchmal habe ich eine Intuition, welches der nächste Schritt ist für jemanden, den ich schon eine Weile kenne, sein könnte. Aber ich sage dies nur, wenn ich das Gefühl habe, er/sie kann es auch verdauen (d.h. er/sie spuckt es nicht wieder aus :).