Neurolinguistisches Programmieren und die Suche nach dem eigenen Ursprung


von Serge FONT




Der folgende Artikel bezieht sich auf den Inhalt des im Verlag VAK erschienenen Buches von Wolfgang Bernard: "In sich hinausgehen - Mit NLP zum Ur-Credo". Der Autor des Buches beschreibt aus eigener Erfahrung die dem NLP innewohnenden Möglichkeiten, über die Glaubenssysteme mittels des Ur-Credo-Prozesses zur Aufdeckung des Ur-Credos zu gelangen - dem Glaubenssytem schlechthin, das unsere Identität aufrechterhält und das uns die Dimension der vorsinnlichen Wahrnehmung, in der wir uns als mit allem verbunden wahrnehmen, verhüllt.
Serge Font schildert als Seminarteilnehmer seine Erfahrungen mit dem Ur-Credo-Prozeß.
Serge:
Mein Interesse am NLP hat es mit sich gebracht, daß ich mich für dieses NLP-Zusatzseminar, das "Der Ur-Credo-Prozeß" heißt, auf Empfehlung von Bekannten einschrieb. Sie waren bereits durch diesen Prozeß gegangen, der uns über unsere Glaubenssysteme hinaus bis an die Wurzeln unserer Identität führen sollte. Mehr als nur ein neues Wissen, mehr als nur eine neue Enthüllung, berichteten sie von einer un'glaublichen' Art und Weise des Sicherlebens, in dem sie sich gleichwohl sehr gut wiedererkennen konnten.
So fand ich mich dann als Teilnehmer an diesem Seminar wieder, bei dem es um mein "Ich" ging. Und insbesondere um das Ur-Credo, das ursprünglichste aller Glaubenssysteme, das sich in jedem menschlichen Wesen während der frühen Kindheit entwickelt. Es ist unabdingbare Voraussetzung für das Entstehen von Individualität, von Egobewußtsein, und wird zum harten Kern der trennenden Identität.
Es schien zunächst nur um eine Erforschung meiner Persönlichkeitsstrukturen zu gehen. Daraus wurde jedoch ein "Abstieg in die Hölle", der es mir ermöglichte, für immer verschüttet geglaubte Gedanken und Gefühle zu entdecken. Die während der NLP-Ausbildung erlernten mentalen Unterscheidungs- und Entschlüsselungsfähigkeiten kamen mir dabei sehr zu Hilfe. Ich kam in Kontakt mit emotionellen Kräften, die ich als neu und nie dagewesen erlebte; Pausen zum Auftanken und zum Ökologiecheck wurden schnell unabdingbar. Eine Art vierdimensionales Körperbewußtsein stellte sich ein, begleitet von einer erstaunlichen Tiefe der inneren Zustände sowie von einer Metabetrachtung, die es mit sich brachte, daß ich das Erlebte von einer immer feiner werdenden mentalen Dissoziation aus betrachtete. Und all dies erzeugte paradoxerweise in mir eine "heilige Wut", doch bitte verstehen zu wollen, was hier eigentlich passiert. Als es bis an die Grenzen der emotionalen Belastbarkeit ging, schien mein Intellekt Schaden zu nehmen. Eine Art Kurzschluß im vernunftbestimmten Bereich meines Seins ließ zunächst Widerstände gegen das Fortführen der Übung in mir aufkommen, die dann zu regelrechten inneren Aufständen wurden. Der Eindruck entstand, daß die Grundlagen meiner Intelligenz, der inneren Logik meines Erlebens, die perfekt auf den Ablauf meines Lebens abgestimmten Erklärungen den Bach runtergingen.
Dann, nach zwei Tagen und einer Nacht, in der ich kaum geschlafen hatte, erreichte ich diesen "Wahrnehmungszustand, den der Leiter als "vorsinnliche Wahrnehmung bezeichnet. Ich war einfach nur da, auf einer kleinen Matratze sitzend, und staunte... über die Qualität meiner Wahrnehmung. Eigentlich unmöglich, es zu beschreiben: eine nicht ausmachbare Bewußtheit des Bewußtseins. Bewußtsein, außerhalb von Gedanken zu existieren.
Jedenfalls keine Gedanken mehr, kein innerer Dialog mehr, kein Nachdenken, kein Schlüsseziehen mehr, kein Auffüllen des Bewußtseins mit Worten. Und dies war ganz selbstverständlich und natürlich. Außer wenn ich denken wollte; dann erschienen Gedanken, aber sie waren reduziert auf ihre Funktion inneren Theoretisierens. Keinesfalls waren sie ein Erleben der Realität.
Es wurde sonnenklar: es gibt kein Erleben im Bereich der Gedanken. Nur die Idee des Erlebens. Der Durchbruch zu einem nichtintellektuellen Verstehen: Das "Lesen" dessen, was um uns und in uns passiert, findet in jedem Augenblick "life" statt, und zeitlich gesehen vor allem Lernen und vor der Anwendung von Gelerntem. Die Identifikation mit einem Teil von mir, mit einer einzigen Funktion meines Seins, dem Denken also, erschien mir verrückt. Und gleichzeitig belanglos.

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Ich verstand, worum es bei dieser besonderen Anwendung von NLP ging: um eine andere Dimension als die der persönlichen Bequemlichkeit. Eine Freiheit zu erleben, die sich jenseits von Glücklichsein befindet. Zu einem Seinszustand zu gelangen, der sich hinter den Identitätsstrukturen befindet. Oder zumindest die Mechanismen ans Tageslicht zu befördern, welche mein Ego, meine Identität aufrechterhalten, all das also, was es mir unmöglich macht, die alles verbindende Struktur wahrzunehmen, von der Gregory Bateson, einer der Vorreiter von NLP, spricht.
Die Landkarte ist nicht die Landschaft; Begriffe sind nicht das, worüber wir sprechen. Hinter diesen einfachen Worten von Alfred Korzybski, Begründer der General Semantics und ein weiterer Vorläufer von NLP, versteckt sich eine lebbare Evidenz, die sich unmittelbar auf das Nichtnennbare, auf das Nichtgetrenntsein bezieht. Wir lesen die Geschehnisse des Moments mit unseren Sinnen, die weit davon entfernt sind, all das wahrzunehmen, was existiert, und die noch weniger dazu imstande sind, das wahrzunehmen, was nicht existiert.
Unsere fünf Sinne - ebenso wie unsere Meinungen, unsere Urteile und unsere Überzeugungen - sind Wahrnehmungsfilter und erschaffen Vorwegannahmen und Vorurteile. Gleichzeitig glauben wir felsenfest, daß wir den anderen und die Umwelt so wahrnehmen, wie sie wirklich sind, nämlich so, als ob wir sie ungefiltert wahrnähmen. Diese von Grund auf irrige Vorannahme führt automatisch zu "Lesefehlern" und verhüllt uns vor allem eine "unerträgliche  Wahrheit: Die Landschaft (die eigentliche Natur der Dinge und der Menschen) bleibt für immer unfaßbar. Unerträglich und unzugebbar, solange wir nicht die Grenzen unserer Identität gesprengt haben. Nur der existentielle Zugang (die Dimension jenseits von Repräsentationen, jenseits von Glaubenssystemen und frei von jeglicher Be-ur-teilung, d.h. ohne jegliche Filterung) zum Unnennbaren, zum Nichtverstehbaren, kann uns das Mysterium des Lebens enthüllen. Dies ist es, was Freiheit bedeutet, aber hier im Sinne von Befreiung von sich selbst: es akzeptieren, sich aufzugeben (im eigentlichen Sinne und nicht emotionell), alles loszulassen. Angefangen mit allem Wissen, allem Angehäuften, allen Repräsentationen. Vom Wissen - das nur allzuoft rein enzyklopädisch ist - überzugehen zum Hier und Jetzt, das sich voll bewußt in jedem Moment lebt. Das Erleben einer zweiten Geburt, der des Essentiellen Wertes: der staunende und ungläubige Erforscher des unaufhörlichen Lebensspiels zu werden: des Lebens, wie es ist. Und nicht des Lebens, wie ich es gerne hätte.
Die Dimension der vorsinnlichen Wahrnehmung wird für den, der die Freiheit sucht, eine exemplarische Validierung dessen, was er schon seit jeher ahnte.